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Kongressvorbereitung

Ausführliche Beschreibung der Symposien

31. August 2007
 

 

RAHMENVERANSTALTUNGEN

Stand: 12. September 2007

Freitag, 29. Februar 2008, ab 18:00 Uhr
Eröffnungsveranstaltung

Verbundenheit - Identität im Kontext vernetzter Technologien

Verbundenheit ist das dominierende Merkmal des 21. Jahrhunderts, erklärte William J. Mitchell, Professor für Architektur und Media Arts, mit Blick auf die digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien. Die digitalen Technologien bilden das bislang größte kulturelle Netzwerk, das weder der gesellschaftlichen Entwicklung noch der Entwicklung des Individuums äußerlich bleibt. Der Vortrag geht der Frage nach, wie der Gebrauch der IuK-Technologien die Kommunikationskultur, die mentalen Bewegungen und Begegnungen der Reisenden im Netz beeinflusst, kurz, welche Identitäten gefordert und gefördert werden. Die Implikationen digitaler Netzwerke sind widersprüchlich, die Erfahrungen der NetzakteurInnen nicht weniger. Gleichwohl sind es immer mehr Menschen, die sich in digitalen Lebenswelten bewegen, in Interaktion mit technisch-medialen Artefakten ihre Orientierungen, Verhaltenserwartungen und –stile formen und so geprägt, Arbeitsplätze, Familien, Schulen, Politik (mit-)gestalten. Wenn aber die digitale Welt im Sinne von Alfred Lorenzer zu einem Gehäuse unseres Erlebens geworden ist, zu einem Spiel- und Experimentierfeld unserer Selbstverwirklichung, dann kommt es darauf an, sich in den Diskurs, der den technischen Wandel begleitet, einzuschalten und es kommt weiter darauf an, Persönlichkeiten zu fördern, die in der Lage sind, das Potential virtueller Räume zu nutzen und den Risiken Paroli zu bieten. 

Referentin: Christina Schachtner, Klagenfurt

 

VERANSTALTUNGEN ZUM KONGRESSTHEMA

Am Samstag-, Sonntag-, Montag- und Dienstagvormittag, 900 – 1000 Uhr

In einem jeweils 30-minütigen Vortrag mit anschließender Diskussion wird das Kongressthema aus vier verschiedenen Perspektiven beleuchtet:

Klinische Psychologie oder Psychotherapie ODER Klinische Psychologie und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie – in dieser Kombination schlagen sich Perspektivunterschiede nieder, die z. B. in der American Psychological Association zu zwei unterschiedlichen Fachgruppen („divisions“) geführt haben. Der Division 12 „Klinische Psychologie“ mit einem Schwerpunkt auf psychosozialen Störungen und der Division 29 „Psychotherapie“, die eher auf den therapeutischen Prozess und die Prozess-Ergebnis-Forschung ausgerichtet ist. Im Rahmen des Professionalisierungsprozesses der Psychotherapie hat gerade die Initiative der Division 12 „Klinische Psychologie“ für „empirisch validierte“ Behandlungsansätze für bestimmte Störungsbereiche in den 90er-Jahren wichtige Impulse gesetzt, die auch in der BRD intensiv rezipiert wurde. In Reaktion darauf hatte sich die Division 29 „Psychotherapie“ Anfang 2000 gegen diese aus ihrer Sicht „merkwürdig personenlose“ Perspektive gewandt und eine Sammlung der wichtigsten empirisch unterstützten Prozessaspekte (z. B. Zielkonsens, Empathie etc.) vorgelegt. Beide Ansätze sind verkürzend - und gaben so den Anlass, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und den Versuch zu machen, jenseits der Vereinseitigungen zu denken. Im Beitrag soll die Diskussion nachgezeichnet und darauf eingegangen werden, inwieweit hier nur eine akademische Diskussion ohne Relevanz für die psychotherapeutische Praxis geführt wurde oder ob sich aus der Vernetzung der Perspektiven Impulse für die psychotherapeutische Praxis ableiten lassen.

Referentin: Dr. Ulrike Willutzki, Bochum

So weit die Netze tragen: Chancen und Mythen der Netzwerkarbeit

Die Netzwerkidee hat ihren Siegeszug in den 80er Jahren angetreten und das in einer durchaus ambivalenten Gestalt. Der Hintergrund dafür war die allmählich entstehende Klarheit, dass wir am Beginn einer gesellschaftlichen Entwicklung stehen, die das Profil kapitalistischer Gesellschaften im globalen Maßstab nachhaltig verändern würde. Es gab die ersten Analysen für die zeitgenössische Gesellschaft, die als „Reflexive Moderne“ bezeichnet wird. Die Netzwerkmetapher steht in mehrfacher Beziehung für die Reflexion tief greifender gesellschaftlicher Veränderungen. Diese Veränderungen selbst werden als Entstehung weltweit operierender Netzwerke des Wissens und der Geldströme beschrieben, die nicht mehr mit den herkömmlichen Kategorien der Sozialwissenschaften erfassbar seien. Gleichzeitig hat der Netzwerkbegriff aber auch als positiver Hoffnungsträger Karriere gemacht. Die mikroelektronische Revolution wird als Chance zu einer Demokratisierung von Wissen und zum Abbau von Herrschaft durch Zugriff auf Wissen gefeiert.
Einen besonderen Stellenwert hat das Netzwerkkonzept in der Gemeindepsychologie und in der sozialen Arbeit erhalten. Da geht es um die aktive Förderung von sozialen Ressourcen, die Menschen benötigen, um die Handlungsaufgaben in ihrer Lebenswelt und im Beruf bewältigen zu können. In traditionellen Gesellschaften leben Menschen in engmaschigen sozialen Netzwerken. Der Prozess reflexiver Individualisierung, in dem sich unsere Gesellschaft befindet, löst traditionelle Zugehörigkeiten und Einbindungen immer stärker auf. Infolgedessen muss jedes einzelne Subjekt an dem sozialen Kitt der Beziehungsmuster selbst arbeiten.
Aber auch an die Vernetzung von Hilfesystemen wird die Erwartung eines Zugewinns an Ressourcen geknüpft. Inzwischen löst der Begriff der Vernetzung aber auch ambivalente Reaktionen aus. Nicht jede Kooperation führt zu Synergieeffekten und manche Netzwerke zeichnen sich eher durch kollektive Lähmung und Demoralisierung aus. Hier wird deutlich, dass Netzwerke nicht per se eine positive Perspektive eröffnen. Sie können – wie die rechtsradikalen Netzwerke oder auch die Maffia zeigen – für höchst fragwürdige Ziele genutzt oder instrumentalisiert werden. Daraus folgt, dass ein formales Netzwerkkonzept nicht ausreicht, um die Qualität eines Projektes bestimmen zu können. Deshalb braucht eine positive Perspektive der Netzwerkarbeit auch klare normative Bezugspunkte, um bestimmen zu können, was mit ihr an Qualität gewonnen werden kann.

Referent: Prof. Dr. Heiner Keupp, München

Koordinierung und Vernetzungen im Kinderschutz als interdisziplinäre Herausforderung

Die Gefahr von Vernachlässigung und Misshandlung ist am größten in den ersten fünf Lebensjahren. In dieser Zeit haben häufig nur Fachkräfte im Gesundheitsbereich Kontakt mit dem Kind und seinen Eltern. Dabei ist Kinderschutz insbesondere in dieser Entwicklungsphase eine interdisziplinäre Angelegenheit, die nicht mit einer isolierten Maßnahme und nicht mit den Kompetenzen einer einzelnen fachlichen Disziplin oder Zuständigkeit abgedeckt und gelöst werden kann. Dies bedeutet besondere Anforderungen an Kooperation und Vernetzung zwischen Helfern und Hilfesystemen. Am Beispiel des Vier-Länder- und Bundesmodellprojektes „Guter Start ins Kinderleben“ werden vor dem Hintergrund bestehender Angebote und Regelstrukturen erste Erfahrungen gelingender beziehungsweise weniger gelingender interdisziplinärer Vernetzungsprozesse in acht Modellstandorten diskutiert

Referentin: Prof. Dr. Ute Ziegenhain, Ulm

Organisation: Inhaltliche Kongressplanungsgruppe

 

Vernetztes Denken – Denken in Netzwerken:Was die Psychotherapie aus der Hirnforschung lernen kann

Abstract lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Referent: Prof. Dr. Manfred Spitzer, Ulm

Organisation: Inhaltliche Kongressplanungsgruppe


SYMPOSIEN DES KONGRESSES 2008

 

Thema:       Partizipation – ein zentrales Handlungs- und Organisationsprinzip

Partizipationsprozesse müssen vernetzt über die Handlungsebenen erfolgen. Sie müssen sich an die Handelnden auf den unterschiedlichen Ebenen richten, um Einfluss auf die Betreuungsbeziehung, die Organisation sowie die Versorgungsregion zu gewinnen.

Es soll mit grundsätzlichen, theoretischen Überlegungen in das Thema eingeführt werden:

  • Partizipation als zentrales Handlungs- und Organisationsprinzip
    Vor dem Hintergrund theoretischer Konzepte, wie Schutzfaktoren seelischer Gesundheit, Resilienz, Ressourcen, Salutogenese
  • Partizipationsprozesse auf den unterschiedlichen Handlungsebenen
    Überblick über Interventionen
  • Vernetzung der Interventionen, gemeinsame Handlungsstrategien

Daran sollen sich Beispiele aus der Praxis anschließen, die das Handeln auf den unterschiedlichen Ebenen konkretisieren:

  • Gelungene Arzt-Patienten-Kooperation in der psychiatrischen Praxis als ein Modell für die partizipative Gestaltung der Beziehung
    Übertragung auf psychosoziale Arbeitsfelder, Einbeziehung der Behandlungsvereinbarung, …
  • Erfahrungen mit einem Qualitätsmanagementsystem, ausgerichtet an der Partizipation der KlientInnen
  • Evaluations- und Praxisprojekt „Personenzentrierte Hilfe aus Sicht der NutzerInnen“
  • Bericht über das Projekt „Förderstelle unabhängiger Beschwerdestellen“

Die Praxisbeispiele sind so ausgewählt, dass in der Diskussion das Handeln auf den unterschiedlichen Ebenen konkretisiert wird und Ansätze für eine notwendige Vernetzung deutlich werden.

Organisation:            Christel Achberger, Kiel

 

Thema:       Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn. Ausbildung nach dem „Psychotherapeutengesetz – PsychThG“

Seit Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes am 16. Juni 1998 sind fast 10 Jahre vergangen.

Grund genug, der Frage nachzugehen, ob die mit der Verabschiedung des Gesetzes verbundenen Erwartungen erfüllt worden sind, welche Aspekte der Ausbildung sich bewährt haben und wie eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Gesetzes – z.B. im Zusammenhang mit dem Bologna Prozess – aussehen sollte.
Gemeinsam mit VertreterInnen von Ausbildungsinstituten, TherapeutInnen in Ausbildung, Fachverbänden, WissenschaftlerInnen, sowie Psychotherapeutenkammern und anderen politischen Akteuren soll diskutiert werden, welcher  Änderungsbedarf bzgl. der Ausbildungs-Bedingungen, der Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung und der Gestaltung der theoretischen und praktischen Ausbildungsanteile besteht. Dabei soll vor allem auch eine gesundheitswissenschaftliche und versorgungsbezogene Perspektive berücksichtigt werden: d. h. es wird zu fragen sein, ob die gegenwärtige Ausbildungspraxis den Zielen gerecht wird, die durch das PsychThG erreicht werden sollten: einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung psychisch Kranker zu leisten.

Organisation:            Monika Basqué, Dieter Kleiber, Berlin

 

Thema:       Gelingende Kooperation bei verschiedenen Fachsprachen und institutionellen Rahmenbedingungen

Der sexuelle Missbrauch ist eines der Themen, bei dem schon seit Jahren klar ist, dass man ihm nur vernetzt begegnen kann. Und doch wird nur geklagt über die fehlende Kooperationsbereitschaft der jeweils anderen Seite. Jugendhilfe, Polizei, Justiz, Medizin und Psychotherapie arbeiten unter jeweils eigenen Rahmenbedingungen, die häufig weder in Arbeitsabläufen noch in Zielen und Pflichten zueinander passen. Hinzu kommt die berufsspezifisch unterschiedliche Sozialisation in dem, was man unter Kooperation versteht und wie viel Zeit man dafür verwenden muss.

Seit dem In-Kraft-Treten des §8a wird dieser Vernetzungsgedanke neu aktiviert, diesmal zum umfassenderen Thema des Kinderschutzes. Und die reale Kooperation bereitet die gleichen Schwierigkeiten.

Dieses Symposium stellt unterschiedliche Modelle gelingender Kooperation vor und analysiert die Bedingungen, die notwendig erfüllt werden mussten, um an dieses Ziel zu gelangen.

Vorgesehene Referate u.a.:

  • Die Mehrspurenhilfe bei der Arbeit mit Opfern, Tätern und deren Familien bei sexuellem Kindesmissbrauch
  • Kooperationsmodelle für die Behandlung von minderjährigen sexuellen Kindesmissbrauchern
  • Vom Kampf um die Glaubwürdigkeit bis zur Zeu-gInnenbegleitung – Kooperation Jugendhilfe und Justiz
  • Die Freiheit der freien Träger, die Verantwortung des Jugendamtes und der lange Weg zum Kinderschutz

Organisation:            Monika Bormann, Werner Meyer-Deters, Bochum

 

Thema: Grenzüberschreitende Vernetzung und Wissensmanagement in der Beratung von Menschen, die wir behindert nennen und deren Assistenten

In dem Symposium werden wir gemeinsame Initiativen von Organisationen der Behindertenhilfe in der deutsch-niederländischen Region Euregio Rhein-Waal vorstellen.
Ziel der Vernetzung ist die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, die wir behindert nennen und die auffälliges Sozialverhalten zeigen.
Es werden neben Ergebnissen des Euregioprojektes Hand in Hand, welches grenzüberschreitendes Wissensmangement aus verschiedenen psychologischen und pädagogischen Disziplinen verknüpft, Erfahrungen des Instituts für Konsulentenarbeit Kompass und dessen Arbeitsweisen vorgestellt. Die niederländischen Centren für Consultation und Expertise (CCE) stellen ihre Herangehensweise vor. Biografiearbeit als Methode der Annäherung an die Probleme der Menschen, die wir behindert nennen, rundet das Thema praxisorientiert ab.
Alle Beiträge beziehen sich auf die Problematik der Menschen, die wir behindert nennen, und die teilweise bei der Bearbeitung ihrer psychischen Probleme nur unzureichend Unterstützung finden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Qualifizierung der Assistenten, die diese Menschen begleiten.

Referate:

  • Willem Cranen, Myga Tietjen: Hand in Hand und der Mensch mit einer speziellen Hilfefrage
  • Ingrid Elger, Reinhold Braun: „Menschen in Not“ Kompass Institut für Konsulentenarbeit
  • Erik Weber: Aus Krankengeschichten Lebensgeschichten schreiben – Biografisches Arbeiten mit Menschen mit geistiger Behinderung und herausforderndem Verhalten
  • Norbert Vandevorst, N.N.: Zentren für Consultation und Expertise, Consulententeams in den Niederlanden

Organisation:            Reinhold Braun, Ingrid Elger, Bedburg-Hau

 

Thema:       Studium und was kommt danach?

Das Symposium wendet sich insbesondere an StudentInnen der Psychologie, an Diplom PsychologInnen in der beruflichen Orientierungsphase sowie an TeilnehmerInnen einer Psychotherapieausbildung.
Ausgehend von den beruflichen Werdegängen von PraktikerInnen aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen der Klinischen Psychologie soll u.a. folgenden Fragen nachgegangen werden: Welche Arbeitsfelder gibt es im Bereich der klinischen Psychologie? Wie finde ich meinen zukünftigen Job? Welche Anforderungen werden an mich gestellt? Brauche ich eine Zusatzausbildung und wie finanziere ich diese ggf.? Welchen Stellenwert haben Nicht-Richtlinienverfahren? Wie wichtig ist der Doktortitel? Wie lassen sich Beruf und Familie vereinbaren?

Weitere Fragen der Symposiums-TeilnehmerInnen sind willkommen und können in einer abschließenden Podiumsdiskussion berücksichtigt werden.

Organisation:            Katharina Chwallek, Sarah Quappen, Valentina Piwowar, Berlin

 

Thema:       Psychoedukation und Selbstmanagement in der klinischen Praxis im psychiatrischen und somatischen Kontext

Die Begriffe „Psychoedukation“ bzw. „Patientenschulung“ stehen für ein Konzept, in denen in strukturierter und zielorientierter Form die Erarbeitung krankheitsbezogenes Wissens stattfindet. Betroffene und deren Angehörige sollen zu Experten in dem jeweiligen Störungsbild und zu „Partnern“ in der Behandlung werden, darüber hinaus sollen mittels verhaltenstherapeutisch fundierter Interventionen die Coping-Fähigkeiten von Patienten und ihrer Angehöriger verbessert werden und es soll die Möglichkeit geschaffen werden, im gemeinsamen Gespräch mit anderen Betroffenen, persönliche Erfahrungen im Zusammenhang mit der Erkrankung auszutauschen.
Psychoedukation bzw. Patientenschulung leisten somit einen wichtigen Beitrag in der Aktivierung von Selbsthilfepotential und in der Krankheitsbewältigung und erfordern eine Vernetzung und gute Zusammenarbeit von verschiedenen Berufsgruppen.
Im Rahmen dieses Symposiums soll ein Einblick über das breite Spektrum psychoedukativer Ansätze im psychiatrisch-psychotherapeutischen Kontext und im Kontext der somatischen Medizin gegeben werden.

Vorgesehene Referate:

  • Bernd Behrendt: Psychoedukation und Selbstmanagement bei schizophren Erkrankten
  • Roberto D’Amelio: Psychoedukation und Selbstmanagement bei Tinnitus
  • Wolfgang Retz: Psychoedukation und Selbstmanagement bei ADHS
  • N. N.: Psychoedukation und Selbstmanagement bei Schmerz

Organisation:            Roberto D’Amelio, Bernd Behrendt, Homburg/Saar

 

Thema:       Aktuelle Entwicklungen bei der Behandlung von Zwangsstörungen

Exposition und Reaktionsverhinderung, unter Umständen ergänzt durch Pharmakotherapie, gelten seit vielen Jahren als die Methoden der ersten Wahl, wenn es um die Behandlung von Zwangsstörungen geht. Allerdings gibt es nach wie vor eine erhebliche Zahl von PatientInnen, die von solchen Ansätzen wenig oder nicht profitieren.
Bei diesem Symposion sollen neben einem aktuellen Überblick zum Thema Zwangsstörung (Voderholzer, Freiburg) und aktuellen Erkenntnissen zum neurobiologischen Hintergrund der Zwangsstörung (Schiepek, angefragt) neuere Behandlungsansätze vorgestellt werden, die möglicherweise für non-responder von Nutzen sind (aktuelle Ansätze in der Gruppentherapie, der Stellenwert emotionaler Wahrnehmungstrainings bei Zwangsstörungen und empirische Ergebnisse zu der Frage, inwieweit traditionelle chinesische Medizin bei diesem Störungsbild mit Nutzen eingesetzt werden kann).

Organisation:            Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen (DGZ)

 

Thema:       Vernetzung von Psychotherapie und Alltag –Maßnahmen zur Transferförderung in der Therapie und anschließender internetbasierter Transfersicherung

PatientInnen, die in eine stationäre Therapie kommen, haben zuvor in der Regel über Jahre klinisch relevante Beeinträchtigungen in Wechselwirkung mit ihrer alltäglichen Rollenbewältigung entwickelt. Diesem ersten destruktiven und oft chronifizierenden Lernprozess folgt in der Klinik ein zweiter Lernprozess. Im Lernsetting Stationäre Psychotherapie können sich die PatientInnen für einige Wochen ohne den Druck normaler Alltagsanforderungen auf ihre Entwicklung konzentrieren.
Verlassen die PatientInnen danach die geschützte „therapeutische Insel“, stehen Sie vor einem dritten, noch komplexeren, korrektiven Lernprozess. Es gilt nun, die gerade erst erlernten Erlebens- und Verhaltensmuster unter Alltagsbelastungen gegen die über Jahre stabilisierten problematischen Muster aufrechtzuerhalten, situationsspezifisch anzupassen und Transferschwierigkeiten, wie z.B. Erwartungshaltungen der Umwelt etc. zu bewältigen.
Vor diesem Hintergrund kommt es vielfach zu Rückfällen und dem so genannten Drehtüreffekt.

Im Rahmen dieses Symposiums sollen verschiedene Konzepte zur Vernetzung von Psychotherapie und Alltag vorgestellt werden, die die Stabilisierung von Therapieerfolgen unter Alltagsbelastung fördern sollen:

  • Konzepte zur Transferförderung in ambulanter und stationärer Therapie und
  • (web-basierte) Unterstützungssysteme zur Therapieerfolgssicherung post-stationär

Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Chancen, Grenzen und Risiken der jeweiligen Konzepte im Rahmen eines Round-Tables zu erörtern.

Referate u.a. von:
Andreas Hillert, Markus Wolf, Matthias Berking,
Bernhard Sieland, David Ebert

Organisation:            David Ebert, Bernhard Sieland, Lüneburg; Matthias Berking, Washington (USA)

 

Thema:       Prävention im Vorschulalter

Die "Frühe Kindheit" ist in den letzten Jahren zunehmend in den Blickpunkt öffentlichen Interesses geraten - dabei steht in der Debatte oftmals enggefasst die Förderung in "klassischen" Bildungsbereichen im Vordergrund. Im Symposium soll  vom Paradigma der "Kindertageseinrichtung als zentraler Sozialisationsort" ausgegangen werden, die sich in ganzheitlicher Weise als Lern- und Lebensort für Kinder und Eltern versteht. Es sollen zum einen Programme und Projekte vorgestellt werden, die nicht nur eine Prävention von spezifischen Verhaltensauffälligkeiten zum Ziel haben, sondern in besonderer Weise einen ressourcen- und resilienzfördernden Ansatz haben. Zum anderen sollen die Bezüge zwischen der Realisierung solcher "Programme" und dem "Alltag" in der Kita deutlich und diskutiert werden.

Referate u.a.:

  • Maike Rönnau: Kinder stärken! – Resilienzförderung in der Kindertagesstätte
  • Wolf-Wedigo Wolfram: Welchen Beitrag kann eine gute Bildungsqualität zur Prävention im Kindergarten leisten?
  • Dieter Krowatschek: Das Marburger Konzentrationstraining

Organisation:            Klaus Fröhlich-Gildhoff, Freiburg

 

Thema:       Umgang mit Eltern von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten

Schwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen sind in der Regel nicht losgelöst von dem (Erziehungs-)Verhalten ihrer Eltern zu betrachten. Vielen Eltern fällt es allerdings schwer, ihre alltäglichen Erziehungsschwierigkeiten konstruktiv wahrzunehmen. Häufig brauchen sie auch nicht nur eine Beratung, sondern eine umfassende Hilfe für den Umgang mit ihren eigenen Pro­blemen. Wie arbeitet man nun aber im Bereich der sozialen Arbeit mit Eltern (bzw. einer Mutter, einem Vater), die die Probleme nicht in erster Linie sich, sondern ihrem Kind zuschreiben möchten? In dem Symposium sollen die Anforderungen im Umgang bzw. in der Arbeit mit den Eltern aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden sowie Forschungsergebnisse zu typischen Interaktionsmustern zwischen Professionellen und Eltern dargestellt und diskutiert werden.

Organisation:            Nicola Gragert, Mike Seckinger, München

 

Thema:       Ambulante Versorgung psychisch Erkrankter durch Behandler-Netzwerke - Arbeiten im Team

Durch die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung sind neue Möglichkeiten der Versorgung psychisch Erkrankter wie z.B. die Versorgung in Versorgungsnetzen (‚Integrierte Versorgung’) und ‚Medizinischen Versorgungszentren’ möglich geworden. Auch die Dialektisch Behaviorale Therapie von Borderline-Persönlichkeitsstörungen ist auf eine Behandlung in Teams und/oder Behandlernetzwerken ausgelegt.
Demgegenüber spielen ambulante Versorgungsnetze in der BRD insbesondere im Bereich psychischer Störungen noch ein Schattendasein.
In diesem Symposium soll deshalb anhand der Darstellung von vernetzten ambulanten Versorgungsstrukturen gezeigt werden, wie Vernetzung von ambulanten Praxen und/oder Therapie im Team funktionieren kann. Die Möglichkeiten und Grenzen vernetzter ambulanter Arbeit soll aufgezeigt werden. Vorgestellt werden sollen mit je einem Referat das ambulante DBT-Netzwerk in Darmstadt, das ambulante DBT-Netzwerk in Berlin, sowie zwei weitere Netzwerke (Psychoedukations-Netzwerk in Berlin und ein Netzwerk Niedergelassener in Mainz).

Referate:

  • Marion Hündersen: Vernetzung am Beispiel eines ambulant/stationären DBT-Netzwerkes in Marburg - Chancen - Risiken - Nebenwirkungen
  • Norbert Mönter: Integrierte Versorgung
  • Jürgen Matzat: Vernetzung von Selbsthilfegruppen und Psychotherapie
  • Siegfried Stephan, Birgit Heinrich: Vernetzte ambulante Psychotherapie

Organisation:            Hans Gunia, Darmstadt; Christian Stiglmayr, Berlin

 

Thema:       Neuropsychotherapie – die Vernetzung von Neurowissenschaften und Psychotherapie

Das Symposium zeigt beispielhaft die Vernetzung von neurowissenschaftlichen Forschungen und psychotherapeutischer Praxis. Ulrich Sachsse referiert Befunde u.a. aus der Hirnforschung, der Affektforschung und der Diagnostik von komplex traumatisierten PatientInnen. Martin Driessen referiert neue Befunde mit bildgebenden Verfahren zu neuronalen Korrelaten der Erinnerungen von komplex traumatisierten PatientInnen mit und ohne Borderline-Störung, die unmittelbar Schlussfolgerungen für das therapeutische Vorgehen erlauben. Stefan Jacobs stellt ein auf neurowissenschaftlicher Basis entwickeltes und evaluiertes neues Behandlungskonzept „EMDR und Biofeedback bei der Behandlung der PTB“ vor.

Referate:

  • Stefanie Müller, Ulrich Sachsse: Einige Studienergebnisse zu komplex traumatisierten Borderline-Patientinnen
  • Martin Driessen, Thomas Beblo: Neuronale Korrelate traumatischer Erinnerungen
  • Stefan Jacobs, Micha Strack, Anna de Jong, Miriam Rackowitz: EMDR und Biofeedback in der Therapie posttraumatischer Belastungsstörungen. Evaluation eines neuropsychotherapeutischen Behandlungsprogramms.

Organisation:            Stefan Jacobs, Anna de Jong, Micha Strack, Göttingen

 

Thema:       Elterliche und professionelle Präsenz und gewaltloser Widerstand in der Praxis: Wirkungsvolle Interventionen im Umgang mit aggressiven Kindern und Jugendlichen

Viele Eltern, Lehrer und andere professionelle Helfer stehen provozierendem, machtvollem bis aggressivem Verhaltenweisen  von Kindern und Jugendlichen oft hilflos gegenüber. Wenn Kinder sich so verhalten, versuchen Erwachsene zunächst durch Predigen, Diskussionen und Bestrafungen zu handeln. Häufig führt dies zu weiterer Hilflosigkeit und/oder steigenden Eskalationen zwischen den Beteiligten.

Ein neuer und höchst effizienter Weg aus dieser Sackgasse wird mit dem Konzept der elterlichen Präsenz und den Methoden des gewaltlosen Widerstandes von Haim Omer (Tel Aviv) und Arist von Schlippe (Witten-Herdecke/Osnabrück) beschritten: Dieser Ansatz zeigt Möglichkeiten auf, wie es Eltern, Lehrern und professionellen Helfern gelingen kann, ihr pädagogisches Selbstbewusstsein zurück zu gewinnen und das destruktive Verhalten der Kindern zu beenden.

Dieses Konzept, das sowohl in der psychotherapeutischen Praxis, als auch in Schulen und in der Jugendhilfe erfolgreich praktiziert wird, soll in dem Symposium vorgestellt werden.

Die Vernetzung von Personen und Institutionen sowie die Schaffung von Öffentlichkeit sind ein zentrales Element des gewaltlosen Widerstandes. Demnach bietet dieses Konzept ein innovatives Beispiel für eine vernetzte Psychotherapie und Beratung verschiedener Lebenswelten.

Organisation:            Gaby Kohl, Potsdam; Martin Lemme, Bramsche/Osnabrück

Thema:       Qualität und Qualitätssicherung in der Psychotherapieausbildung

Seit vielen Jahren wird beklagt, dass die Forschung im Bereich Psychotherapieausbildung sehr lückenhaft sei. Daher wandte sich die DGVT als großer Ausbildungsanbieter diesem Thema in den letzten Jahren vermehrt zu. Bei dieser Veranstaltung sollen aktuelle Überlegungen angestellt und Forschungsprojekte vorgestellt werden

Geplante Referate u. a. zu folgenden Themen:

  • Gegenwart und Zukunft der therapeutischen Prozessqualitätssicherung
  • Die Qualität von Psychotherapie aus PatientInnensicht
  • Die Effektivität von Ausbildungs-Psychotherapien
  • Die Evaluation der Therapieausbildung durch die TeilnehmerInnen

Organisation:            Armin Kuhr, Dinklar

 

Thema:       Stress und Coping bei Kindern

Kinder sind mit einer Vielzahl von Anforderungssituationen in der Familie, in der Schule und in der Freizeit konfrontiert, die – je nachdem wie gut sie bewältigt werden – zu Stress führen können. Problematisch wird es, wenn kritische Lebensereignisse, alltägliche Spannungen und entwicklungsbedingte Probleme zusammenwirken und das Stresserleben dauerhaft auftritt. Das erhöhte Belastungspotenzial kann zu einer Destabilisierung einer zuvor im Alltag erreichten Balance und in der Folge zum Auftreten von psychischen und physischen Symptomen führen, die ihrerseits zur Verstärkung des Stresserlebens beitragen können. Auf dem Symposium sollen neue Forschungsergebnisse zu klinischen Aspekten von Stress und Coping im Kindesalter vorgestellt werden. Weiterhin soll der Frage nachgegangen werden, wie in der therapeutischen und beraterischen Arbeit, Lernprozesse im Umgang speziell mit familiären Stresssituationen gefördert und Kinder beim Aufbau eines situationsangemessenen Copingverhaltens unterstützt werden können.

Referate:

  • Mirko Fridrici, Arnold Lohaus: Stressbewältigung per Internet? Möglichkeiten und Grenzen web-basierter Stressprävention im Jugendalter
  • Juliane Kuhn: Coping in Familien mit psychisch kranken Eltern
  • Ines Lägel: Strategien zur Förderung protektiver Faktoren in der Arbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern
  • Georg Romer: Kinder körperlich kranker Eltern: Psychische Belastungen, Wege der Bewältigung und Perspektiven der seelischen Gesundheitsvorsorge

Organisation:            Albert Lenz, Paderborn; Johannes Jungbauer, Aachen

 

Thema:       Die psychischen Folgen des Lebens im "abgehängten" Prekariat

Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung haben im letzten Jahr den Fokus auf ein leider schon altes Phänomen gelenkt, das durch die Einführung des neuen Arbeitslosengeld II – besser bekannt unter dem Stichwort „Hartz IV“ – nochmals deutlicher erkennbar wurde. Rund 20 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren leben zwischenzeitlich vom sogenannten „Sozialgeld“, leben in Familien, deren Grundsicherung durch die Regelungen des Sozialgesetzbuches II (Hartz IV) bestimmt wird. Eine Studie des skandinavischen Soziologen Gosta Esping-Andersen zeigt auf, dass rund 93 Prozent der Menschen in Skandinavien mindestens einmal in ihrem Leben „in Armut“ gelebt haben. Armut in einer kurzen Zeit des Übergangs scheint nicht bedrohlich für die psychische Entwicklung eines Menschen zu sein, die Qualität ändert sich mit dem Verfestigung der Armut, denn damit werden insbesondere Kinder und Jugendliche von den vorhandenen sozialen Netzen abgekoppelt wie Studien beispielsweise von Gerda Holz und anderen belegen. Wenn Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene kaum noch einen Zugang zum sozialen Leben in der Gemeinschaft haben, ändert sich auch die psychische Befindlichkeit. Diese Konsequenzen der langfristigen Armut sollen anhand verschiedener Beiträge in diesem Symposium vertiefend erörtert werden.

Organisation:            Hans-Peter Michels, Böhl-Iggelheim

 

Thema:       Erosion des Sozialen – Beratung und Psychotherapie im Neoliberalismus

Seit Jahren propagieren Politiker, Journalisten und Wirtschaftsvertreter immer neue Reformen und meinen damit den Umbau der Gesellschaft nach neoliberalen Prinzipien: Die Priorität des Marktes, der Rückzug des Staates aus dem Feld der Ökonomie sowie der sozialen Sicherung, die Privatisierung und Deregulierung öffentlicher Sektoren seien notwendig und ohne Alternative zur Sicherung unserer Zukunft.
Diese Veränderungen haben Arbeits- und Lebensbedingungen zur Folge, die für die Mehrheit auch dann keine Sicherheit und Zukunftsperspektiven bedeuten, wenn sie das Credo vom flexiblen, leistungsorientierten und ungebundenen Individualisten erfüllen. Die Meisten machen die Erfahrung, trotz versprochener Autonomie, dass sie ihr Leben zunehmend weniger selbstbestimmt gestalten können.
Und dennoch werden diese Erfahrungen als ein Schicksal gedeutet, für das man selbst verantwortlich ist. Von daher werden kooperative Gegenstrategien kaum in Erwägung gezogen, möglicherweise auch deshalb nicht, weil Organisationen wie Gewerkschaften in der Öffentlichkeit als unmodern dargestellt werden.
In diesem Symposium gehen wir Fragen nach, wie z.B.: Werden Vereinzelung und zunehmende Unsicherheit in  Psychologie, Beratung und/oder Psychotherapie thematisiert? Wie wird die Problematik aufgegriffen und bearbeitet? Können den Menschen Strategien zum produktiven Umgang mit den Veränderungen vermittelt werden? Oder orientiert man die Einzelnen auf ein Für-sich-sorgen und defensives Zurechtkommen?

Organisation:            Hans-Peter Michels, Böhl-Iggelheim

 

Thema:       Diesseits und jenseits der Wirkfaktoren – Forschung zur Neuropsychotherapie und die Anwendung in der erweiterten Praxis - zweiteiliges Symposium -

In diesem Symposium werden aktuelle Forschungsarbeiten der Berner Gruppe zur Neuropsychotherapie und deren Umsetzung in der Praxis dargestellt. Neben Studien zur Realisierung und Umsetzung der Wirkfaktoren im Therapieprozess werden auch Interventionsstudien vorgestellt, die auf der Grundlage der Neuropsychotherapie Möglichkeiten einer Optimierung der verhaltenstherapeutisch orientierten Behandlung verschiedener Störungen untersuchen. Ein zusätzliches Thema ist die Qualitätssicherung und deren gezielte Nutzung für die Therapieplanung sowie als Ausgangspunkt für die empirische Analyse von Therapieprozessen.

Vorgesehene Referate:

  • Ressourcenaktivierung und Wirkfaktoren im Therapieprozess
  • Betrachtung individueller Therapieverläufe
  • Interventionen zur Affektregulation
  • Therapieabbrüche und Qualitätssicherung
  • Interventionen bei Ess- und Somatisierungsstörungen
  • Therapie mit Patienten aus anderen Kulturen
  • Komorbidität

Beiträge von:
Matthias Berking, Sara Dürrenberger, Yvonne Egenolf, Christoph Flückiger, Simon Itten, René Lehmann, Nadine Messerli-Bürgy , Eva Schürch, Sven Tholen , Armita Tschitsaz

Organisation:            Daniel Regli, Bern (Schweiz)

 

Thema:       Vernetztes Selbst und Psychotherapie

Das Selbst kann als Netzwerk von Erinnerungen, Bewertungen, Einstellungen, Motiven, Zielen, Handlungsschemata beschrieben werden. Hier lassen sich bewusste und implizite (unbewusste) Anteile dieses Netzwerks unterscheiden. Darüber hinaus ist das Selbst in ein Netzwerk sozialer Beziehungen eingebettet. Dieses Symposium soll psychotherapeutische Ansätze vorstellen, die die Persönlichkeit, die intrapersonalen und interpersonellen Netzwerke des Patienten besonders berücksichtigen.

Organisation:            Gudula Ritz-Schulte, P. Schmidt, Münster

        

 Thema:       Neue Entwicklungen zur Prävention und Gesundheitsförderung - German Network for Mental Health (GNMH)

Abstract lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor

Organisation: Bernd Röhrle, Marburg

       

Thema:       Erstes, zweites, drittes Leben – Jugendliche unterwegs im Internet

Für viele Jugendliche ist das Leben ohne Internet nicht mehr vorstellbar. Für Eltern und pädagogisch oder therapeutisch tätige Erwachsene stellen sich Fragen nach Chancen und Risiken: Führen stundenlanges Spielen oder Chatten, öffentliches Tagebuchschreiben, ausgefeilte Selbstdarstellung bis zum Spiel mit verschiedenen Identitäten zu erweiterten sozialen Kompetenzen oder zu Isolation und Vereinsamung? Wie unterstützt das Internet die Identitätsfindung und gesellschaftliche Teilhabe von Jugendlichen? Wie unterscheiden sich die Geschlechter in der Nutzung, was passiert an sozialer Ausdifferenzierung? Welche Jugendliche sind in Gefahr, vom Internet abhängig zu werden, wie kann psychotherapeutisch entgegengewirkt werden? Wie nützlich sind Online-Beratungen oder Selbsthilfeportale; welche Tipps  - auch zur Gefahrenabwehr – können wir geben?

Referate:

  • Oliver Bilke: Pathologische Mediennutzung - familiäre und individuelle Interventionsstrategien bei Jugendlichen
  • Christiane Eichenberg: Die Nutzung von Selbsthilfeforen im Jugendalter: Potenziale und Gefahren aus klinischer Sicht
  • Sabine Grüsser-Sinopoli: Suchtpotenzial von Online-Rollenspielen
  • Ingrid Francisca Reichmayr: Weblogs und digitale Plattformen als Bühnen und Netzwerke im Identitätsmanagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
  • Christina Schachtner: Jugendliche und Digitale Medien. Zur Bedeutung der Mediennutzung im Kontext der Lebensorientierungen der nachwachsenden Generation

Organisation:            Heidi Rosenow, Bielefeld

 

Thema:       Chancen und Perspektiven von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ADHS

ADHS ist keine reine Kinderkrankheit. Bei einem nicht unerheblichen Anteil der Betroffenen bleibt die Symptomatik bis ins Erwachsenenalter erhalten.

Die Chancen und Perspektiven von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die von einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) betroffen sind, sollen im Mittelpunkt des Symposiums stehen. Jugendliche haben häufig Schwierigkeiten in der Schullaufbahn, bis hin zur Gefährdung des Schulabschlusses. In Ausbildung, Lehre oder Studium wirken sich Konzentrationsstörung, Impulsivität und Unruhe ebenso negativ aus wie im späteren Berufsleben. Die Betroffenen haben auch im sozialen Kontakt Schwierigkeiten.

Fachleute unterschiedlicher Disziplinen berichten von ihren Erfahrungen bei der Förderung von Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS. Neben den Schwierigkeiten sollen auch erfolgreiche Interventionen und Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt, Handlungsmöglichkeiten für die eigene Praxis entwickelt werden.

Organisation:            Claudia Ruff, Bottrop

 

Thema:       Falldokumentation und mündliche Prüfung in der Psychotherapieausbildung– Eine Herausforderung für AusbildungsteilnehmerInnen, SupervisorInnen, GutachterInnen und PrüferInnen

Im Rahmen der Psychotherapieausbildung müssen die AusbildungsteilnehmerInnen sechs Fälle ausführlich schriftlich dokumentieren, zwei dieser Dokumentationen sind Gegen-
stand der mündlichen staatlichen Prüfung. Im Rahmen des DGVT-Ausbildungsverbundes werden die Dokumentationen vor Einreichung zur Prüfung einem Gutachterverfahren unterzogen. Die Dokumentationen bilden damit eine zentrale Schnittstelle zwischen AusbildungsteilnehmerInnen, SupervisorInnen, GutachterInnen und PrüferInnen.
Im Rahmen dieses Symposiums sollen diese Beteiligten in einen Austausch über Form und Inhalt der Falldokumentationen gebracht werden. In Kurzreferaten werden die unterschiedlichen Blickwinkel eingebracht und im Rahmen ausführlicher Diskussion sollen gemeinsame Standards für den effektiven Umgang mit diesem Ausbildungsbestandteil befördert werden.

Organisation:            Günter Ruggaber, Tübingen

 

Thema:            Depresive und posttraumatische Erkrankungen und ihre psychotherapeutische Behandlung

Depressive Erkrankungen stehen in Deutschland an 3. Stelle der 12 Monatsprävalenzen, posttraumatische Erkrankungen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Fortschritte in der Diagnostik, der Bildgebung und der Psychotherapie können helfen ihre  Behandlung zu optimieren. Dieses Symposium informiert über die Validität der WHO-5 als Screeninginstrument zur Erfassung depressiver Erkrankungen bei älteren Langzeit-Arbeitslosen sowie über eine Studie zur PTSD und Bildgebung bei U-Bahnfahrern in München. Eine kontrolliert randomisierte kognitiv-psychoedukative Studie bei Depressionen im ambulanten und stationären Setting untersucht therapeutische Effekte und die mögliche Bedeutung bildgebender Verfahren.

Organisation:        Anette Schaub, München; Bernd Behrendt, Homburg Saar

  

Thema:       Psychotherapie als selbstorganisierender Prozess: Aktuelle Beiträge zu einer postinterventionistischen und schulenübergreifenden Therapietheorie

Vernetzung ermöglicht ein verändertes theoretisches Verständnis von Psychotherapie. Es soll in diesem Symposium diskutiert werden, wie eine schulenübergreifende Theorie der Psychotherapie aussieht, die nicht mehr von linearen Input-Output-Modellen, also von Treatment-Effekt-Konzepten ausgeht. Anomalien der gängigen Therapieforschung (z.B. der Dodo-Bird-Effekt, geringe Varianzaufklärung von isolierten Interventionseffekten, Early Rapid Responses) könnten dafür sprechen, dass ein „post-interventio-
nistisches“ Therapiemodell sinnvoll wäre, das nicht nach dem Bild eines seriellen Computers gestrickt ist. Evidenzbasierung würde in einem solchen Ansatz keineswegs obsolet, aber nicht über RCT-Forschung, sondern über die datenbasierte Evidenz des Einzelfalls, erfasst mittels Methoden des Real-Time Monitoring funktionieren.

Organisation:            Günter Schiepek, Stuttgart

 

Thema:       „Prävention, Diagnostik und Intervention bei Kindeswohlgefährdungen“

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten um Kindeswohlgefährdungen und um die Möglichkeiten, darauf zu reagieren, sollen in diesem Symposium Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. In dem Spannungsfeld zwischen Hilfe für die betroffenen Familien und staatlichem Wächteramt werden die einzelnen Beiträge auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen, präventive Ansätze, die Möglichkeiten der Diagnostik in diesem Bereich und Interventionsmöglichkeiten bei Kindeswohlgefährdungen eingehen.

Referate:

  • Heiner Keupp: Kindeswohlgefährdung: Eine Positionsbestimmung zwischen Staat, Individuum, Hilfen, Gemeinsinn und Verantwortung
  • Meinrad Armbruster: Niedrigschwellige ambulante Hilfen
  • Michael Borg-Laufs: Diagnostik von Kindeswohlgefährdungen
  • Wolfgang Schreck: Ambulante und stationäre Interventionsmöglichkeiten – Indikationen, Grenzen, Kooperationen
  • Ute Ziegenhain: Vernetzung in der Arbeit mit Kindeswohlgefährdungen

Organisation:            Wolfgang Schreck, Hattingen; Michael Borg-Laufs, Mönchengladbach

 

Thema:       Vernetzung der Beratung an der Hochschule

Für Beratung und psychosoziale Hilfen in der Hochschule gibt es viele Anlässe: Studienfachwahl, Orientierung im Fach und mit den ungeschriebenen Regeln der Kommunikation in der Hochschule, Bewältigung von studienbezogenen Schwierigkeiten und individuellen Krisen oder Umgang mit unsicheren Zukunftsperspektiven. Ein stabiles Beratungs- und Hilfenetzwerk mit möglichst breiter Beteiligung verschiedener Instanzen der Hochschule kommt der Beratung sehr zugute, erfordert jedoch auch kontinuierliche Vernetzungs- und  Überzeugungsarbeit der Kooperationspartner. Das Symposium setzt sich mit aktuellen Entwicklungen der Beratung in der Hochschule und mit Vernetzungserfahrungen zwischen Verwaltung und Wissenschaft auseinander.

Referate u.a. von:
Ruth Großmaß, Berlin; Frank Nestmann, Dresden; Eva Fischer, Bochum

Organisation:            Ursel Sickendiek, Bielefeld

 

Thema:       Nichts bleibt so wie es ist – zur widersprüchlichen Wiederentdeckung familialer Unterstützungsnetzwerke

Derzeit wird im wissenschaftlichen wie im politischen Diskurs intensiv über den Zustand und die Zukunft familialer Lebensformen debattiert. Eine besondere Rolle spielen dabei die sozialen Ressourcen im unmittelbaren und mittelbaren Umfeld von Familie. Spezifisch wird versucht, die Netzwerkpotentiale in Nachbarschaft und Kommune für Familien zu identifizieren, um so Familien konkret in ihrer alltäglichen Lebensführung zu unterstützen. Vor dieser Folie soll im Symposium erstens eine Bestandsaufnahme familialer Netzwerkstrukturen vorgenommen werden, die zweitens unter speziellen Gesichtspunkten der Vernetzung von Familiengenerationen ergänzt wird. Von besonderem Interesse ist drittens, welche empirischen Befunde zur Nutzung des Angebots in der Freiwilligenarbeit für familiale Belange vorliegen. Schließlich sollen am Beispiel von Mehrgenerationenhäusern die politischen Umsetzungsstrategien und Implikationen dargestellt werden, ohne dass die durchaus widersprüchlichen Tendenzen ausgespart bleiben.

Organisation:            Irmgard Teske, Weingarten; Andreas Lange, München

 

Thema:       Wissenschaft und Intuition – (k)ein Gegensatz

Im Zeitalter einer evidenz-basierten medizinischen und psychotherapeutischen Arbeit muss die Effektivität und Effizienz psychotherapeutischen Arbeitens statistisch abgesichert nachgewiesen werden. Da ist für ein „Bauchgefühl“ wenig Platz, obwohl in der psychotherapeutischen und beraterischen Praxis erfahrene Personen wissen, dass ihre Intuition ihnen im Einzelfall gut weiterhilft. Mittlerweile liegen auch Ergebnisse wissenschaftlicher Studien vor, die belegen, dass intuitiv getroffene Entscheidungen unter bestimmten Voraussetzungen dem vorgelegten Problem angemessener waren als „rein“ rational abgeleitete Entscheidungen.

Vor diesem Hintergrund sollen in diesem Symposium die Möglichkeiten und Grenzen des intuitiven Handelns in der klinisch-psychologischen, psychotherapeutischen und beraterischen Praxis unter den Stichpunkten:

  • Entwicklung des Erfahrungswissen
  • Von den Standards/Manuals zur Intuition
  • Forschung zum „intuitiven“ Handeln

erörtert werden.

Organisation:            Andreas Veith, Dortmund

 

Thema:       Suchttherapie zwischen medikamentöser und psychosozialer Behandlung

Die Suchttherapie hat sich in den letzten 15 Jahren rapide weiterentwickelt und die Konzepte haben sich kontinuierlich ausdifferenziert. An dieser Entwicklung hat der Einsatz von neuen Medikamenten einen erheblichen Anteil. Neuere Ausführungen zur Suchttherapie einerseits und evidenzbasierte Studien andererseits scheinen darauf hinzuweisen, dass die medikamentöse Behandlung immer mehr an Bedeutung gewinnt und die psychotherapeutische Behandlung immer mehr an Bedeutung verliert. Die Ergebnisse der Heroinstudie unterstreichen in gewisser Weise diese Entwicklung. Allerdings zeigen die Auswertungen auch, dass die psychosoziale Behandlung nicht nur Beiwerk der medikamentösen Behandlung ist, sondern von zentraler Bedeutung hinsichtlich der Alltagsbewältigung und der allgemeinen Verbesserungen in der Lebenssituation der Behandelten.
Das Symposium soll die Chancen der Vernetzung von Psychologie/Sozialer Arbeit mit der Medizin/Psychiatrie in der Behandlung von Suchtkranken ebenso thematisieren wie die Probleme, die sich in der Zusammenarbeit ergeben.

Vorgesehene Referate:

  • Beitrag zur multiprofessionellen Teamarbeit aus Sicht eines Sozialarbeiters
  • Beitrag zu CRA und zur multiprofessionellen Teamarbeit
  • Zur McDonaldisierung der Suchthilfe
  • "Suchthilfe in der Krise"
  • Beitrag zur Heroinverschreibung an Drogenabhängige

Organisation:            Irmgard Vogt, Frankfurt

 

Thema:       Jenseits der Schubladen, oder zumindest neue Schubladen – vernetztes Denken in der Psychotherapie

Psychotherapie lebt von der Veränderung der Perspektiven, von der Entwicklung neuer Modelle, von der Umstrukturierung des Gewohnten, von der Kombination und Synopse verschiedener Ansätze. In diesem Symposium sollen theoretische und praktische Ansätze solchen Denkens jenseits der Schubladen vorgestellt und diskutiert werden. Hierbei soll es sowohl um Vorstellungen zu einer allgemeinen Psychotherapie wie auch Modelle zu übergreifenden Prozessen der Aufrechterhaltung und Veränderung psychosozialer Probleme gehen.

Organisation:            Ulrike Willutzki, Tobias Teismann, Bochum

 

Thema:                Klinische Aspekte arbeits- und berufsbezogener Problemstellungen und ihre Bedeutung für die Psychotherapie

Die traditionelle und strukturelle Trennung zwischen der Arbeits- und Organisationspsychologie einerseits und der Klinischen Psychologie andererseits hat dazu beigetragen, dass es in der universitären Ausbildung und der korrespondierenden Forschung kaum Verbindungen gibt, die sich mit speziellen Problemstellungen und Belastungen der Arbeitswelt und den möglichen Krankheitsentwicklungen beschäftigen. Auch in der postgradualen Psychotherapieausbildung fristen arbeits- und berufsbezogene Problemstellungen (der PatientInnen) und spezifische Behandlungskonzepte ein randständiges Dasein.
Der tiefgreifende Wandel in der Arbeitswelt von ausgeprägten körperlichen Belastungen zu intensiven mentalen, emotionalen und sozialen Anforderungen und die ausgeprägten Risiken, einen Arbeitsplatz zu halten rückt diese Problembereiche stärker in den Focus ambulanter und stationärer Psychotherapie
In diesem Symposium werden die empirischen Ergebnisse der Verbindungen hin zu einer klinisch orientierten Arbeitspsychologie bzw. einer arbeitspsychologisch fundierten Klinischen Psychologie vorgestellt

Organisation:            Manfred Zielke, Mönkeberg