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Workshoptagung 2013

Ausführliche Beschreibung der Workshops

15. November 2012
 

Workshops Block I (8 UE)

WS DO/FR 1 Verhaltenstherapeutische Behandlung von Hypochondrie und Krankheitsangst

Gaby Bleichhardt, Marburg

Zentrales Merkmal der Hypochondrie ist die Angst, eine schwere Krankheit zu haben. Anders als häufig in Medien dargestellt, ist dieses Krankheitsbild mit großem Leidensdruck und hohem Schamgefühl verbunden. Nach einem Überblick über Erscheinungsbild, (Differential-)Diagnostik und Prävalenz wird ein Erklärungsmodell der Hypochondrie vorgestellt. Anhand dessen werden im Hauptteil der Veranstaltung die beiden Säulen der Behandlung „kognitive Therapie zur Veränderung der Krankheitsideen“ sowie „Verminderung sicherheitssuchenden Verhaltens“ erarbeitet und mittels Fallbeispielen, Videodemonstrationen und Kleingruppenübungen erprobt.

WS DO/FR 2 Behandlung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter mit besonderer Berücksichtigung motivationaler Schwierigkeiten

Margarete Bolten, Basel/ Schweiz

Weltweit ist eine Zunahme von Übergewicht und Adipositas (extremes Übergewicht) bei Erwachsenen und Kindern zu beobachten. Das Ausmaß der Zunahme sowie somatische und psychische Begleiterkrankungen lassen die Adipositas zu einem gesellschaftlichen Problem werden. Zudem haben adipöse Kinder ein deutlich höheres Risiko, auch als Erwachsene unter Übergewicht zu leiden. Die Ursachen für Übergewicht sind multifaktoriell und in ihrer Verhältnismäßigkeit noch nicht endgültig geklärt. So tragen neben einer genetischen Disposition ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sowie weitere Umweltbedingungen zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Adipositas bei. Therapiestudien zeigen deshalb, dass diejenigen Interventionsmaßnahmen die besten langfristigen Resultate aufweisen, welche neben einer Ernährungsumstellung, die Steigerung der körperlichen Aktivität mit verhaltenstherapeutischen Techniken kombinieren. Als langfristig effektiv zeigen sich zudem Behandlungsansätze, welche in sehr frühem Kindesalter beginnen, die Eltern mit einbeziehen und damit Verhaltensänderungen bei der gesamten Familie bewirken. Erfolg und Prognose von Therapien hängen dabei vorrangig von langfristigen Verhaltensänderungen ab. Jedoch sind Therapeuten bei der Arbeit mit übergewichtigen Kindern, Jugendlichen und ihren Familien häufig mit der Tatsache konfrontiert, dass diese nicht durch eigenen Antrieb in die Behandlung kommen und deshalb oft nur eine geringe Eigenmotivation einbringen. Auf der einen Seite ist zwar der Leidensdruck sehr hoch, doch können die Teilnehmer oft nicht von Gewohnheiten trennen bzw. die notwendigen Verhaltensänderungen im Alltag umsetzen. Der Workshop soll deshalb neben der Darstellung des therapeutischen Vorgehens bei der Behandlung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter auch einen Überblick über die verschiedenen Techniken zum Umgang mit Ambivalenzen, Widerstand und fehlender Kooperation geben. Anhand praktischer Übungen werden Strategien zur Motivierung von Patienten mit ambivalenter Therapiemotivation sowie konkrete Interventionsmaßnahmen aus den Therapiebausteinen Ernährungsumstellung, Aktiver Alltag, Stressbewältigung etc. vermittelt und exemplarisch erprobt. Kritisch soll jedoch auch auf die Grenzen der Motivationsarbeit eingegangen werden.

WS DO/FR 3 Psychopharmakotherapie und Psychotherapie

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass dieser Workshop über 16 UE geht, er wird parallel zu Block II fortgesetzt!

Thomas Frittrang, Nürtingen

Müssen Psychologische Psychotherapeut/Innen über Psychopharmaka Bescheid wissen? Für viele eine rhetorische Frage, aber weshalb? Im Workshop werden nach einleitenden Ausführungen zu Arzneimittelinformation, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik die störungsbezogenen Anwendungen folgender psychopharmakologischer Substanzgruppen näher dargestellt: Antipsychotika (Neuroleptika), Antidepressiva, Stimmungsstabilisierer, Anxiolytika und Hypnotika (Tranquilizer) sowie Psychostimulantien. Es werden Zielwirkungen, mögliche Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen und Anwendungsbeschränkungen aufgezeigt. Dabei soll auch auf die Kontroverse um den Stellenwert neuer antipsychotischer und antidepressiver Medikamente eingegangen sowie bei verschiedenen psychischen Störungen die Möglichkeiten und Grenzen einer Kombination von Pharmakotherapie und Psychotherapie verdeutlicht werden. Neben Vortrag und Diskussion der oben genannten Inhalte sollen auch praktische Übungen zur patientInnenbezogenen Kommunikation zwischen Psycho- und PharmakotherapeutIn erfolgen.

Literatur
Benkert, O. & Hippius, H. (2009): Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. 7. Aufl., Springer HeidelbergWeinmann, S. (2008): Erfolgsmythos Psychopharmaka. Psychiatrie-Verlag BonnVorderholzer, U. & Hohagen, F. (2010): Therapie psychischer Erkrankungen. Urban & Fischer München

WS DO/FR 4 Psychosomatische Aspekte und Therapie des chronischen Tinnitus und Hyperakusis

Gerhard Goebel, Prien am Chiemsee

Die Forschung auf dem Anwendungsgebiet psychologischer Interventionen beim chronischen Tinnitus hat in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung genommen. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand bietet sich das Habitulationsmodell von Hallam et al (1984) als Basis für die psychologischen Interventionen an, das zwischenzeitlich durch neurophysiologische Erkenntnisse gestützt als Neurophysiologisches Modell in die aktuelle Tinnitus-Therapie Eingang gefunden hat (Goebel 2003). Aus diesem multifaktoriellen Erklärungsansatz lassen sich mehrzügige Therapiekonzepte ableiten, deren Veränderungsziel sich auf Aufmerksamkeitslenkung, Befürchtungen, dysfunktionale Bewältigungsstrategien, operante Aspekte, Verarbeitungsstil und erlebte Behinderung richten, um den Teufelskreis, bestehend aus Aufmerksamkeitszuwendung, dysfunktionale Bewertung der Geräusche, Geräuschüberempfindlichkeit, Stressreaktion und Tinnitusverschlimmerung zu unterbrechen. Neben der Propädeutik werden die diagnostischen und therapeutischen Grundlagen der psychoakustischen Bereiche des Tinnitus und der verschiedenen Ursachen und Begleitsymptome (Schwerhörigkeit, Geräuschüberempfindlichkeit, vestibulärer und psychogener Schwindel, HWS- Syndrom, gnathologische Dysfunktionen, psychische Komorbidität etc.) vorgestellt und diskutiert. Am Beispiel eines multimodalen verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzeptes wird praxisnah dargestellt, wie der psychologische Zugang zu Patienten mit chronischen Ohrgeräuschen/ Hyperakusis und das Therapieziel Tinnitusakzeptanz erreicht werden kann. Möglichkeiten, Effizienz und Kontraindikationen einer ambulanten und stationären Psychotherapie einschließlich der Möglichkeiten und Grenzen der Tinnitus Retraining-Therapie TRT werden dargestellt. Eigene Erfahrungen sind zum Verständnis des Seminars erwünscht, aber keine Bedingung.

WS DO/FR 5 Hauterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen - Psychologische Aspekte und psychosomatische Behandlung am Beispiel der Neurodermitis

Dietmar Langer, Gelsenkirchen

Chronische Erkrankungen wie die Neurodermitis stellen eine erhebliche Belastung für die Betroffenen dar, da neben den sichtbaren körperlichen Symptomen weitere sekundäre Folgeerkrankungen sowie langanhaltende negative Auswirkungen im psychischen, sozialen und beruflichen Bereich zu verzeichnen sind. Teil 1 beschäftigt sich mit den multifaktoriellen Hintergründen und Chronifizierungsprozessen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Neurodermitis. Ausgehend von der Bedeutung der Haut für die Entwicklung des Menschen wird das Krankheitsbild der Neurodermitis in seinen vielfältigen Aspekten dargestellt. Neben der Rolle von Stressfaktoren, psychoneuroimmunologischen Aspekten, Lernen und Konditionierung fließen auch bindungstheoretische Überlegungen in die Betrachtung ein. Die Vorstellung eines Arbeitsmodells zur Systematisierung beschließt den ersten Teil. Teil 2  stellt das Modell einer integrativen psychosomatischen Komplexbehandlung vor, in der neben der nötigen akut-medizinischen Behandlung vor allem die psychischen und sozialen Komponenten, die den Krankheitsverlauf modifizieren, im Mittelpunkt stehen. In der multifokalen Therapie werden Situationen aus dem typischen Alltagskontext von Familien zu verhaltenstherapeutischen und systemischen Interventionen genutzt, um adäquatere Coping- und Kommunikationsstrategien bei den betroffenen Kindern und ihrer elterlichen Begleitperson aufzubauen. Standardisierte und modulförmig eingesetzte Therapiebausteine wie Stressimpfungstraining, Entspannungsverfahren, systemische und kognitive Therapie, klassische Konditionierung, Strukturtherapie, Bindungs- und Trennungstraining, Ernährungstherapie u.s.w. sind Bestandteil des Konzeptes. Eine Besonderheit ist dabei die psychosomatische Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern.

WS DO/FR 6 Kognitive Therapie bei Körperdysmorpher Störung

Viktoria Ritter, Frankfurt

Die Körperdysmorphe Störung (KDS) ist gekennzeichnet durch die exzessive Beschäftigung mit einem eingebildeten oder allenfalls minimal erkennbaren Makel in der äußeren Erscheinung. Die Störung ist mit einem starken Leidensdruck verbunden und verbreiteter, als ursprünglich angenommen. In der psychotherapeutischen Praxis wird die KDS häufig unterdiagnostiziert und unzulänglich behandelt. Im Workshop wird unter Einbezug von Videoaufnahmen zunächst ein Überblick über das Störungsbild, Ursachen und Diagnostik gegeben. Im Mittelpunkt steht die kognitive Therapie bei KDS. Neben klassischen Behandlungsbausteinen werden Interventionen wie Aufmerksamkeitstraining, Videofeedback, Imagery Rescripting und Verhaltensexperimente vorgestellt, die sich als hilfreich erwiesen haben, bislang jedoch noch nicht für die KDS evaluiert wurden. Einzelne Interventionen können während des Workshops in Form von Rollenspielen erprobt werden. Die Referentin wird Videosequenzen von Therapiesitzungen mitbringen.

Literatur
Ritter, V. & Stangier, U. (2010). Wenn das Spiegelbild zur Qual wird. Ein Ratgeber zur Körperdysmorphen Störung. Göttingen, Hogrefe. Stangier, U. (2002). Hautkrankheiten und Körperdysmorphe Störung. Göttingen, Hogrefe.

WS DO/FR 7 Somatoforme Störungen und Schmerz aus der Sicht der psychodynamischen Psychotherapie und der Bindungsforschung

Carl Eduard Scheidt, Freiburg

Der Workshop gliedert sich in drei Teile. In Teil I wird zunächst eine Übersicht über das klinische Bild und die Diagnostik somatoformer Störungen gegeben. Dieser Teil dient der Erarbeitung einer gemeinsamen Begrifflichkeit. Da für die Behandlungsplanung in der psychodynamischen Psychotherapie eine „Strukturdiagnostik“ wichtig ist, werden wir in diesem ersten Teil auch einen kurzen Exkurs in die die operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD) machen müssen, um die Heterogenität der Patienten und der zugrundeliegenden Problemsituationen bei somatoformen Störungen in geeigneter Weise abbilden zu können. Im 2. Teil werden die Modelle der Entstehung somatoformer Störungen erarbeitet. Bindungsbezogene Traumatisierung spielt in der Entstehung vieler somatoformer Syndrome, insbesondere auch bei somatoformen Schmerzsyndromen eine zentrale Rolle. Deswegen werden in diesem Teil die Befunde zum Zusammenhang zwischen Trauma und Schmerz und zwar vor allem aus der Sicht der Bindungsforschung dargestellt. Im 3. Teil werden wir diese Modellvorstellungen zur Entstehung somatoformer Störungen  für die psychotherapeutische Behandlung nutzbar zu machen versuchen. Dabei stehen neuere Ansätze der psychodynamischen Psychotherapie wie die mentalisierungsbasierte Psychotherapie (Fonagy) und die strukturbezogen Psychotherapie (Rudolf) im Vordergrund. Auch Möglichkeiten einer Integration psychodynamischer und kognitiv-behavioraler Interventionen sollen in diesem Teil diskutiert werden. Da der Workshop möglichst interaktiv durchgeführt wird, ist das Einbringen eigener klinischer Erfahrungen und Fallbeispiele sehr willkommen.

WS DO/FR 8 Psychoonkologie

Ursula Weber, Dortmund; Susanne Grohmann, Geldern

In Deutschland erkranken jährlich ca. 430 000 Menschen an Krebs. Für sie und ihre Familien bedeutet die Diagnose Verunsicherung, Konfrontation mit Todesangst und die Notwendigkeit zur Neuorientierung. Psychoonkologie bietet diesen Menschen Unterstützung von der Diagnosestellung über die Akutbehandlung und Rehabilitation bis zur Verarbeitung von Rückfallängsten und bis hin zu Sterbe- und Trauerbegleitung.
In diesem Workshop soll anhand der verschiedenen Phasen der Erkrankung, Behandlung und Krankheitsverarbeitung ein Überblick über aktuelle Strömungen und Interventionsstrategien gegeben werden. Schwerpunkte können die Schwierigkeiten bei der Verarbeitung der akuten Belastungsfaktoren von Patienten und Angehörigen sein. Am Beispiel Brustkrebs sollen Umgang mit Progredienzängsten, Krisenbewältung, psychoeduaktive Verfahren und Diagnose-/Screeningverfahren thematisiert werden. Ebenfalls werden medizinische Hintergründe und wichtige Behandlungsverfahren mit besonderer Berücksichtung derer Auswirkungen auf das Erleben und die Lebensqualität der PatientInnen thematisiert.
Eigene Erfahrungen und Kompetenzen können und sollen eingebracht und vertieft werden.

Literatur
Ditz, S., Diegelmann, C., Isermann M. (Hrsg.): Psychoonkologie- Schwerpunkt Brustkrebs. Ein Handbuch für die ärztliche und psychotherapeutische Praxis. Kohlhammer, Stuttgart 2009
Herschbach, P., Heußner, P.: Einführung in die psychoonkologische Behandlungspraxis. Klett-Cotta, Stuttgart 2008
Psychotherapie im Dialog 2/2010 Psychoonkologie. Thieme, Stuttgart 2010

WS DO/FR 9 Kognitive Verhaltenstherapie bei medizinisch unklaren körperlichen Beschwerden und schweren Krankheitsängsten

Michael Witthöft, Mainz

Kognitiv-behaviorale Modelle medizinisch unklarer bzw. „somatoformer“ Beschwerden (z.B. Rief & Hiller, 2010) und schwerer Krankheitsängste (z.B. Bleichhardt & Weck, 2010) betonen Prozesse der selektiven Aufmerksamkeitslenkung auf Körpersensationen, sowie die intensive Suche nach (ärztlicher) Rückversicherung und ausgeprägtes Schon- und Vermeidungsverhalten als entscheidende Elemente für die Aufrechthaltung somatoformer Störungen. Ziel des Workshops ist es, einen Einblick in die Diagnostik, Differentialdiagnostik, Fallkonzeption und Behandlung von Patienten mit medizinisch ungeklärten körperlichen Beschwerden und schweren Krankheitsängsten zu geben. Hierbei sollen Störungsbilder, die primär durch medizinisch ungeklärte Beschwerden gekennzeichnet sind (z.B. Somatisierungsstörung; somatoforme Schmerzstörung) und das Störungsbild der Hypochondrie (für das sich der weniger stigmatisierende Begriff der „Krankheitsangststörung“ zu etablieren beginnt) getrennt thematisiert werden, da sich für beide Bereiche in letzter Zeit unterschiedliche Behandlungsschwerpunkte bewährt haben. So fokussiert die Behandlung somatoformer Störungen auf den Aufbau von Behandlungsmotivation, Stress- und Belastungsreduktion, Veränderung von Aufmerksamkeits- und Bewertungsprozessen und der Modifikation von Krankheitsverhaltensweisen. Für die Krankheitsangststörung wird zusätzlich auf expositionsorientierte Ansätze aus dem Bereich der Angststörungen (z.B. Reizkonfrontation mit Reaktionsverhinderung; Exposition mit Worst-Case-Szenarien) zurückgegriffen. Neben der Darstellung und Einübung prototypischer Interventionen bei Somatisierung und Krankheitsangst soll der Fokus auch auf mögliche Schwierigkeiten in der Therapeut-Patient-Interaktion gerichtet werden.

Literatur
Bleichhardt, G. & Weck, F. (2010). Kognitive Verhaltenstherapie bei Hypochondrie und Krankheitsangst. Heidelberg: Springer.Kleinstäuber, M., Thomas, R., Witthöft, M. & Hiller, W. (2012). Kognitive Verhaltenstherapie bei medizinisch unerklärten Körperbeschwerden und somatoformen Störungen. Berlin: Springer.Rief, W. & Hiller, W. (2010). Somatisierungsstörung. Fortschritte der Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe.

WS DO/FR 10 „Seite an Seite“ – Eine kognitiv-verhaltenstherapeutische

Intervention für Paare mit Brustkrebs

Tanja Zimmermann, Braunschweig

Krebserkrankungen wie z.B. Brustkrebs bedrohen als potenziell tödliche Krankheit die eigene Existenz, die Beziehungen und die Lebenspläne der erkrankten Frau, aber auch der ganzen Familie. Nach der Diagnose treten häufig Depressionen, Ängste, sexuelle und Beziehungsstörungen auf. Die meisten Interventionsprogramme konzentrieren sich auf die Unterstützung der betroffenen Frauen und die Förderung ihrer individuellen Copingstrategien. Jedoch sind auch die Partner durch die Folgen der Krebserkrankung belastet und stellen zudem die wichtigste Quelle emotionaler und praktischer Unterstützung für die Frau dar. Dennoch gibt es kaum Interventionen, die dies systematisch und standardisiert berücksichtigen. In diesem Workshop wird eine kurze kognitiv-behaviorale Intervention (Seite an Seite) dargestellt, die sowohl im Rahmen einer psychotherapeutischen Praxis als auch in einem Kliniksetting für Psychoonkologen anwendbar ist. Das Training ist manualbasiert und wird sowohl in der Standarddurchführung als auch in der individuellen Anwendung an einzelnen Fällen dargestellt. In der standardisierten Form werden der Patientin und ihrem Partner in fünf Sitzungen Informationen über die Krebserkrankung und –behandlung vermittelt, es werden Fertigkeiten zur Stressbewältigung, Kommunikation und Krankheitsbewältigung sowie zum Umgang mit Kindern und sexuellen Problemen besprochen. Eine kognitivbehaviorale Fallkonzeptualisierung, die der Intervention vorangestellt ist, kann in der Wahl der spezifischen Interventionskomponenten helfen und hat somit große Bedeutung für den Zuschnitt auf den individuellen Fall. Die wesentlichen Elemente des Trainings werden in dem Workshop dargestellt, anhand von Fallbeispielen besprochen und in der Anwendung in Kleingruppen geübt.

Literatur
Zimmermann, T. & Heinrichs, N. (2008). „Seite an Seite“ eine gynäkologische Krebserkrankung in derPartnerschaft gemeinsam bewältigen – Ein Ratgeber für Paare. Göttingen: Hogrefe.Heinrichs, N., & Zimmermann, T. (2008). Bewältigung einer gynäkologischen Krebserkrankung in derPartnerschaft. Ein psychoonkologisches Behandlungsprogramm für Paare. Göttingen: Hogrefe.


Stiftskirche | Foto: Barbara Honner
© Verkehrsverein Tübingen


Fallseminare (3 UE)

BEHANDLUNGSBEISPIELE

aus Ihrem Alltag, die in den Fallseminaren diskutiert werden können, sind mitzubringen.


FS 1 Psychologische Behandlungsmöglichkeiten bei chronischem Schmerz

Martina Aschke, Sprockhövel; Anne Linkemann, Herne

FS 2 Wenn die Seele durch den Körper spricht – Fallseminar zur Behandlung von PatientInnen mit somatoformen Störungen

Sandra Becker, Tübingen

FS 3 Behandlung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Margarete Bolten, Basel/ Schweiz

FS 4 Hauterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Dietmar Langer, Gelsenkirchen

FS 5 Kognitive Therapie bei Körperdysmorpher Störung

Viktoria Ritter, Frankfurt

FS 6 Die Behandlung von PatientInnen mit Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa im ambulanten Kontext

Judith Schild, Münster

FS 7 Sexuelle Funktionsstörungen

Hanna Smoltczyk, Tübingen

FS 8 Psychoonkologisches Fallseminar

Ursula Weber, Dortmund; Susanne Grohmann, Geldern


Unterstadt | Foto: Barbara Honner
© Verkehrsverein Tübingen


Workshops Block II (8 UE)

WS SA 1 Psychotherapie mit Hörgeschädigten: eine kommunikative und interkulturelle Herausforderung

Diemut Achtergarde, Münster; Karen Jahn, Münster

Die Gruppe der hörgeschädigten Menschen ist sehr heterogen. Der Grad der Hörschädigung variiert zwischen leichter Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit: Erschwerend kommen Hyperakusis, Tinnitus und andere Kopfgeräusche hinzu. Erforderlich ist der Einsatz von Deutscher Gebärdensprache, Lautsprachbegleitender Gebärdensprache, Dolmetschern sowie unterschiedlichsten Techniken, um die Kommunikation zu erleichtern. Das Hörerleben jedes einzelnen Menschen bleibt jedoch individuell. Wenn hörgeschädigte Menschen einen ambulariten Psychotherapieplatz suchen, fehlen oftmals Therapeuten, die diesbezüglich das erforderliche Fachwissen und Gebärdensprachkompetenz besitzen. Im Rahmen dieses Workshops soll neben der Vermittlung von Basiswissen zu Hörschädigungen und deren Einfluss auf psychischen Störungen, den Teilnehmern anhand von Rollenspielen und simulierten Therapie-Situationen dieses Klientel, mit dessen besonderen Bedürfnissen, näher gebracht werden. Insbesondere die Gemeinschaft der tauben und prälingual ertaubten Menschen fordert von uns „Normalhörenden“ einen interkulturellen Therapiezugang, um Kommunikation ganzheitlich in der Therapie gelingen zu lassen.

Literatur
Leven, Regina (1997, 2003). Psychische Störungen gehörloser und schwerhöriger Psychotherapie-Patienten unter besonderer Berücksichtigung kommunikativer Aspekte. Hamburg: Verlag hörgeschädigte kinder. Harvey, Michael A. (1989). Psychotherapy wirb deal and hard-of-hearing persons. A systernic model. Hilfsdate, New Jersey: Lawrence Erlbatrm Associates. Ohre, B., von Tetzchner, St. & Falkum, E,-(261 1). Deal adults and mental health: A review -of recent research on the prevalence and distribution of psychiatric symptoms an disorders in the prelingually deaf adult population. Intenational Journal on Mental Helath and Dealness 1(1).

WS SA 2 Psychische Probleme bei Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenkrankheit: Fakten und Fiktionen

Bernhard Dahme, Hamburg

Asthma ist heute die häufigste chronische Krankheit im Kindesalter und die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD) ist zumindest in den USA die vierthäufigste Todesursache im fortgeschrittenen Alter. Beide somatische Krankheiten können mit ernsthaften psychischen Problemen verbunden sein, häufig mit panischer Angst (Angst aus Atemnot bis hin zu Erstickungsangst) einerseits, aber auch „Krankheitsgewinn“ (intra- und interpersonale Funktionalität) andererseits. Es besteht eine hohe Komorbidität mit Angsterkrankungen und Depression. (Dies sind Fakten) Ältere, aber immer noch sehr populäre psychosomatische Vorstellungen, auch einige therapeutische Vorstellungen zum Asthma haben sich als empirisch nicht haltbar erwiesen (Fiktionen). – Es wird für eine gezielte psychotherapeutische Behandlung der assoziierten psychischen Probleme betroffener Patienten in gut koordinierter medizinischer Behandlung des Asthma oder der COPD geworben. Erwünscht ist, dass Teilnehmer des Workshops Erfahrungen im Umgang mit asthmatischen oder COPD-Patienten einbringen.

Literatur
Ritz, T. & Dahme, B. (2003). Atemwegserkrankungen, in: Ehlert, U., Verhaltensmedizin. Heidelberg et al.: Springer, S. 265 - 293

WS SA 3 Psychopharmakotherapie und Psychotherapie

Thomas Frittrang, Nürtingen

Fortsetzung des WS DO/FR 3 Block I

WS SA 4 Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Kopfschmerzen

Michael Dobe, Datteln

Viele Kinder, welche aus verschiedensten Gründen eine ambulante oder stationäre Psychotherapie aufnehmen, leiden auch unter chronischen Kopfschmerzen. Chronische Schmerzen an sich sind bereits im Kindes- und Jugendalter ein häufiges Phänomen und betreffen ca. 20-25% aller Kinder und Jugendlichen. Jedes 10. Kind leidet unter häufigen Spannungskopfschmerzen. Etwa 400.000 aller Kinder und Jugendlichen haben eine kindliche Migräne. Circa 1,5% aller Kinder und Jugendlichen sind aufgrund der Schmerzen derart in ihrer Lebensführung beeinträchtigt, dass unabhängig von einer eventuellen komorbiden psychischen Erkrankung (zusätzlich) die Kriterien für das Vorliegen einer Somatoformen oder Chronischen Schmerzstörung erfüllt werden. Schmerz selbst ist eine individuelle und ausschließlich subjektive Erfahrung. An der Verarbeitung von Schmerzreizen sind neben dem somatosensorischen Cortex z.B. auch das limbische System sowie Areale in Zusammenhang mit Aufmerksamkeitsprozessen in der Schmerzverarbeitung beteiligt. Somit ist die Wahrnehmung von Schmerz keine rein subjektiv-sensorische Wahrnehmung, sondern verfügt ausnahmslos über eine emotionale Qualität und wird in der Intensität z.B. über die Körperselbstaufmerksamkeit beeinflusst. Neben den biologischen und psychologischen Komponenten spielt der familiäre (oder soziale) Kontext ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung und Verstärkung von Schmerzen. Mit der Zeit kann es infolge von Aufmerksamkeits- und Sensibilisierungsprozessen zu einer dauerhaften Schmerzwahrnehmung kommen. In der Therapie von chronischen Kopfschmerzen ist es deswegen hilfreich, unabhängig von einer eventuell vorliegenden psychischen Komorbidität sowohl den biologischen, psychologischen als auch den sozialen Kontext der chronischen Kopfschmerzen zu berücksichtigen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten stehen in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, welche unter chronischen Kopfschmerzen leiden, aber vor mehreren Herausforderungen: Werden die Schmerzen nicht ernst genommen oder gar als reines Symptom einer psychischen Erkrankung angesehen, fühlen sich die Kinder nicht ernst genommen. Auf der anderen Seite möchte man den Schmerzen nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen. Andererseits berichten sowohl die Kinder als auch die Eltern glaubhaft davon, wie sehr Schmerzen den Alltag beeinträchtigen können. Dazu gesellt sich die Unsicherheit: Ist vielleicht nicht doch ein organischer Faktor übersehen worden? Ist die vermehrte Besorgnis der Eltern und/oder der Kinder nun eher ursächlich oder als Folge zu sehen? Wie sehr spielen Faktoren des Modelllernens eine Rolle? Da Entspannungstechniken häufig als nicht hilfreich erlebt werden – was kann man überhaupt machen? In diesem Seminar wird neben der Darstellung der wichtigsten biologischen, psychologischen und sozialen Einflussfaktoren kurz das diagnostische Vorgehen des Deutschen Kinderschmerzzentrums vorgestellt, welches dazu geeignet ist, therapeutische Ansatzpunkte für die Schmerztherapie bei Kindern mit Kopfschmerzen und ihren Familien zu eruieren. Im weiteren Verlauf des Seminars werden die wichtigsten „Denk-Fallen“ in der Schmerztherapie thematisiert, erprobte Herangehensweisen für die Edukation des Kinds und der ganzen Familie eingeübt sowie einige wichtige Schmerzbewältigungsstrategien dargestellt. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Vermittlung von Fähigkeiten im Umgang mit Kindern, welche so sehr unter ihren Kopfschmerzen leiden, dass die Kriterien für eine Schmerzstörung erfüllt werden.

Literatur
Dobe M, Zernikow B (2009). Rote Karte für den Schmerz. Wie Kinder und ihre Eltern aus dem Teufelskreis chronischer Schmerzen ausbrechen. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg.Zernikow B (2009). Schmerztherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, 4. Auflage. Springer, Berlin Heidelberg.Dobe M, Zernikow B (2013). Therapie von Schmerzstörungen im Kindes- und Jugendalter. Springer, Berlin Heidelberg.

WS SA 5 Psychologische Behandlung von chronischen Schmerzstörungen

Jule Frettlöh, Bochum

Entsprechend der von der IASP (International Association for the Study of Pain) empfohlenen und inzwischen allgemein anerkannten Sichtweise ist chronischer Schmerz - unabhängig vom jeweiligen Krankheitsbild - als ein multidimensionales Phänomen zu betrachten. Die Erkrankung beschränkt sich nicht nur auf das Erleben des zum Teil langjährigen Schmerzes selbst, sondern wird im Verlauf der Chronifizierung insbesondere im Verhalten, in Stimmungen und Gefühlen, in Gedanken, Erwartungen und Überzeugungen sichtbar. Infolge chronischer Schmerzen verändert sich nicht selten auch die soziale und wirtschaftliche Situation der Patienten. Chronische Schmerzerkrankungen sind somit ein komplexes Ereignis, an dessen Entstehung und Aufrechterhaltung neben physiologischen auch psychische (d.h. emotionale, kognitive und verhaltensmäßige) Komponenten beteiligt sind. Die psychischen Anteile bestimmen in erheblichem Ausmaß die Beeinträchtigung des Patienten und damit seine Therapiebedürftigkeit. Nach einem theoretischen Überblick über die psychologischen Aspekte der Schmerzchronifizierung und den damit verbundenen Folgen für Patienten werden die zentralen Wirkfaktoren psychologischer Schmerztherapie diskutiert. Es folgt eine Darstellung der psychologisch-diagnostischen Methoden (Schmerzanamnese bzw. Exploration; Schmerz-Psychometrie). Aus den diagnostischen Befunden werden die Ziele der psychologischen Schmerzbehandlung sowie mögliche Interventionsansätze abgeleitet. Verschiedene verhaltenstheoretische Interventionsmodule werden an einem ausführlichen Fallbeispiel vorgestellt und auf Wunsch im Rollenspiel demonstriert.

vorbereitende Literatur:
Kröner-Herwig, B., Frettlöh, J., Klinger, R., Nilges, P. (Hrsg.) 2011. Schmerzpsychotherapie (7. Auflage). Berlin: Springer-Verlag. darin: Kröner-Herwig, B. & Frettlöh, J.: Behandlung chronischer Schmerzsyndrome: Plädoyer für einen multiprofessionellen Therapieansatz. S 541-563.vertiefende Literatur:Frettlöh J. Hermann C. (2011) Kognitiv-behaviorale Therapie. In: Kröner-Herwig, B., Frettlöh, J., Klinger, R. & Nilges, P. (Hrsg.) 2011. Schmerzpsychotherapie (7. Auflage). Berlin: Springer-Verlag.:595-614.

WS SA 6 Schmerzpsychotherapie bei Kopfschmerzen

Günther Fritsche, Essen

In der Psychologischen Therapie chronischer Kopfschmerzen stand in den vergangenen 20 Jahren die Schmerzbewältigung im Vordergrund der psychotherapeutischen Interventionen. Syndrom übergreifend wurde mit den betroffenen Patienten u.a. Entspannungstherapie, Schmerz und Stressbewältigung durchgeführt. Die wenigen syndromspezifischen Ansätze (z.B. biographische Bearbeitung des „Typus migraenicus“, Vasokonstriktionstraining) haben sich aufgrund überholter Hypothesen nicht durchsetzen können. Jüngere neurophysiologische Untersuchungen brachten indes (insb. für die Migräne) einige Merkmale hervor, in denen sich diese Klientel von Normalpersonen und anderen Kopfschmerzpatienten unterscheiden (z.B. erhöhte cerebrale Erregbarkeit, gestörte Habituation). Diese Befunde stellen wichtige Bestandteile für ein besseres Verständnis der Kopfschmerzen sowie der Migräne dar und erfordern entsprechende Konsequenzen für eine Schmerzpsychotherapie bei Kopfschmerz. Die wichtigsten pathophysiologischen und pathopsychologischen Mechanismen der Kopfschmerzentstehung und -aufrechterhaltung werden referiert und die bisherigen Therapiestrategien und -techniken auf ihre syndromspezifische Anwendbarkeit hin vorgestellt und ausgewählte Interventionen eingeübt.

Literatur
Frettlöh J, Fritsche G. Anwendungsaspekte der Schmerzpsychotherapie. In: T. Standl et al. Schmerztherapie (pp. 403-413). Stuttgart: Thieme, 2010.Fritsche G, May A. Migräne. In: In B. Kröner-Herwig, F. Frettlöh, R. Klinger, P. Nilges (Eds.) Schmerzpsychotherapie: Grundlagen, Diagnostik, Krankheitsbilder, Behandlung (pp. 381-403). Berlin: Springer, 2011.

WS SA 7 Systemisch-hypnotherapeutische Interventionen für eine optimale Teamkooperation zwischen Soma (Leib) und Psyche (Seele)

Klaus Mücke, Potsdam

Besonders psychosomatische Symptome und Beschwerden beinhalten ein spezifisches Wissen über bestimmte Bedürfnisse, deren Ausdruck oder Befriedigung blockiert ist. Symptome können als Lösungen für bestimmte Konfliktsituationen fungieren oder auch als Reaktion auf belastenden Stress auftreten. Gleichzeitig haben sie beziehungsgestaltende und selbstbezogene Wirkungen, deren Hinweis- und Signalcharakter von entscheidender Bedeutung sind. Psychosomatische Symptome und Schmerzen können als Tranceinduktionen genutzt werden, um die oft unbewusste Weisheit des eigenen Organismus direkt zu befragen. Doch auch Heilungsprozesse des Organismus von rein körperlich begründeten Krankheiten können mit Hilfe systemisch-hypnotherapeutischer und imaginativer Verfahren unterstützt werden. Im Einzelnen werden folgende Themenbereiche und Inhalte vermittelt: Psychosomatische Sprachbilder als sich-selbst-erfüllende Prophezeiungen und als verborgenes Wissen, Definition, Systemische Erklärungsmodelle für psychosomatische Symptomatiken, Nutzung der Weisheit des Organismus, Nutzung des psychosomatischen Symptoms als Interaktionspartner auf der Suche nach wesentlichen Bedürfnissen, Arbeit mit Persönlichkeitsteilen bei psychosomatischen Symptomen, Phantasiereisen ins Innere des Organismus zur Stärkung des Immunsystems (Psychoneuroimmunologie), der Organismus als Partner für spezifische Vereinbarungen und Kontrakte, psychosomatische Symptome als Leibwächter, Beziehungsdynamiken, Arbeit mit unterschiedlichen psychosomatischen Aspekten Didaktik: Theorie, Demonstration, Arbeit mit Fallsituationen der Teilnehmer/innen, Rollenspiele, Übungen in Groß- und Kleingruppen, Praxisbeispiele.

Literatur
Mücke, Klaus (2007). Hilf Dir selbst und werde, was Du bist. Anregungen und spielerische Übungen zur Problemlösung und Persönlichkeitsentfaltung. Lehr- und Lernbuch: Systemisches Selbstmanagement. 2. Aufl. Klaus Mücke ÖkoSysteme Verlag, Potsdam.Mücke, Klaus (2009). Probleme sind Lösungen. Systemische Beratung und Psychotherapie – ein pragmatischer Ansatz. Lehr- und Lernbuch. 4. Aufl. Klaus Mücke ÖkoSysteme Verlag, Potsdam.

WS SA 8 Einführung in die Verhaltenstherapie von Störungen der Ausscheidung: Enuresis und Enkopresis bei Kindern

Jens Niemann, Göttingen

Der Workshop behandelt Fragestellungen und therapeutische Strategien die sich bei der Psychotherapie von Ausscheidungsproblemen bei Kindern ergeben. Nach einer Auffrischung der wichtigsten Kenntnisse (Symptome, Epidemiologie, Verlauf, Ätiologie, Diagnostik und Interventionen) der Verhaltenstherapie von Enuresis und Enkopresis, sollen Probleme und Strategien im Umgang mit Toilettengängen bei Kindern anhand von Beispielen behandelt werden. Dabei sollen zunächst die unklaren und problematische Diagnosekriterien (nicht nur) bei ICD und DSM diskutiert werden. Es werden kurz medizinische Vor- und/ oder Begleituntersuchungen/-interventionen angesprochen. Zudem soll die Diagnostik und Intervention typischer psychischer Komorbiditäten und Begleitsymptome erläutert werden (Toilettenverweigerungssyndrom, Besuche vom Wutmonster etc.). Die Problematik magische Hausmittel (z.B. Flüssigkeitsreduktion) und ineffektiver Methoden (unsystematisches Wecken) wird angesprochen. Es können unterschiedliche Geräte der Aperativen Verhaltenstherapie (AVT: Klingelhosen, -matten, Piesel Piepser etc.) im Seminar ausprobiert werden. Dabei sollen möglicherweise bestehende Vorbehalte gegen diese Methoden ausgeräumt werden. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Gebrauch unorthodoxer Mittel in der Kindertherapie sein. Es soll der Nutzen von hypnotherapeutischen und systemischen Methoden diskutiert werden. Um dann anhand von Fallbeispielen die spezifischen Probleme und Therapieprinzipien der Behandlung der Probleme der Kinder und ihrer Familien deutlich zu machen. Ein wichtiger Punkt wird dabei die Exploration des inneren Bezugssystems bzw. die Etablierung eines hilfreichen Störungsmodells (z.B. Pipi-PC) des Kindes sein. Nicht zuletzt wird auch die Einbeziehung des familiären Umfeldes in die Therapie und das Finden einer gemeinsamen Sprache eine wichtige Rolle spielen. Gewünscht wird ein Austausch von eigenen Fallbeispielen und Therapiematerialien und eine offene Diskussion.

Literatur
Gontard, v. A. (2007): Enuresis und funktionelle Harninkontinzenz (F98.0). 327-342 Enkopresis (F98.1). 343-356. in: Leitlinien zu Diagnostik und Therapie psychischer Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Deutscher Ärtzte-Verlag: Köln.s.a.: www.awmf.org (die Leitlinien werden aktuell überarbeitet) für eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema: Gontard, A.v. & Lehmkuhl, G. (2002). Enuresis. Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Band 4, Göttingen: Hogrefe. Gontard, A.v. (2010). Enkopresis. Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Band 15, Göttingen: Hogrefe.

WS SA 9 Neurofeedback – neurophysiologische Psychotherapie

Ute Strehl, Tübingen

Die verhaltensmedizinische Forschung hat in den letzten Jahrzehnten effiziente Methoden zur Behandlung somatischer Erkrankungen auf der Grundlage psychophysiologischer Analyse und verhaltenstherapeutischer Ansätze entwickelt. Diese Ansätze führen vor allem bei sogenannten Non-Respondern oder bei Patienten, für die herkömmliche Methoden nicht in Frage kommen, zu einem großen Interesse. Dabei spielt das Neurofeedback eine zentrale Rolle. In den letzten Jahren wurden in Studien Erfolge in der Behandlung von Epilepsien und von ADHS nachgewiesen. Das Forschungsinteresse und die Nachfrage steigt auch in anderen Anwendungsbereichen wie z.B. Tinnitus, Tourette, Autismus u. a. Ziel des Workshops ist zu zeigen, wann und wie Psychotherapeuten diese Störungen in einem neurobiologischen Rahmen, mit Schwerpunkt Neurofeedback, behandeln können. Es werden hirnphysiologische Grundlagen des Neurofeedbacks behandelt und Behandlungsprotokolle besprochen. Ein Ziel des Workshops ist, dass Anwender in die Lage versetzt werden, in ihrer Praxis selbständig entsprechende Anfragen einzuordnen. Ein zweiter Schwerpunkt wird in der Einführung in die Technik, mit Hilfe von praktischen Übungen an den Geräten liegen.

Literatur
Rief, B., Birbaumer, N. (Hrsg.) (2011). Biofeedback-Therapie. Stuttgart: Schattauer. 3. Auflage

Strehl, U.(Hrsg.) Neurofeedback. Ein Arbeitsbuch. Stuttgart: Kohlhammer i.V. (erschient voraussichtlich Anfang 2013)

WS SA 10 Psychotherapie bei medizinisch unerklärten Körperbeschwerden

Sven Tholen, Bern/ Schweiz

In dem Kurs werden nach einer Einführung zur empirischen Befundlage hinsichtlich der Klassifikation, Verbreitung, Ätiologie und Aufrechterhaltung somatoformer Störungen einige der aktuell gängigen psychotherapeutischen Ansatzpunkte und ihre empirische Evidenz dargestellt und erläutert. Der Kurs orientiert sich dabei inhaltlich sowohl an einer störungsspezifischen Sichtweise bezüglich der Therapie somatoformer Störungen als auch einer allgemeinen Psychologischen Therapie (Grawe, 1998, 2004). Mit Fallbeispielen (Videos, Übungen und Rollenspiele) sollen dann vor allem spezifische Probleme/Besonderheiten in der Behandlung von PatientInnen mit somatoformen Störungen gemeinsam vertieft und bearbeitet werden.

Literatur
Brown, R. J. (2004). Psychological mechanisms of medically unexplained symptoms: An integrative conceptual model. Psychological Bulletin, 130(5), 793-812.

Hiller, W. & Janca, A. (2003). Assessment of somatoform disorders: a review of strategies and instruments. Acta Neuropsychiatrica, 15(4), 167-179.

Kleinstäuber, M., Thomas, P., Witthöft, M., Hiller, W. (2012). Kognitive Verhaltenstherapie bei medizinisch unerklärten Körperbeschwerden und somatoformen Störungen. Berlin: Springer.

ExpertInnenvortrag I: Somatoforme Störungen: Überblick und aktuelle klassifikatorische Entwicklungen. Prof. Dr. Wolfgang Hiller, Mainz

Störungsbilder mit medizinisch unklaren Körpersymptomen als klinischem Hauptmerkmal waren in der Vergangenheit konzeptuell und klassifikatorisch stets umstritten. Der 1980 eingeführte Begriff der somatoformen Störungen hat in der klinischen Psychologie und Psychotherapie eine recht solide Akzeptanz gefunden, soll aber nach den Vorschlägen für die fünfte Revision des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-5) wieder abgeschafft werden. Als neue Kategorie ist die Somatic Symptom Disorder (Körpersymptomstörung) vorgesehen, bei der nicht mehr zwischen medizinisch erklärten und nicht-erklärten Symptomen differenziert werden soll. Im Vortrag wird ein Überblick über aktuelle Störungsmodelle und Forschungsbefunde gegeben. Es werden speziell solche Befunde referiert, bei denen die konzeptuellen Ansätze gegeneinander getestet wurden. Es wird der Frage nachgegangen, welche Rolle psychologische Faktoren bei der Entstehung medizinisch unklarer Körpersymptome spielen und welche Implikationen sich daraus für die Therapie ergeben.

ExpertInnenvortrag II: Veränderungen in der Emotionswahrnehmung und –regulation bei somatoformen Störungen: Implikationen für die Konzeptualisierung und Behandlung. Dr. Michael Witthöft, Mainz

Die Erforschung von Veränderungen emotionaler Wahrnehmungs- und Regulationsprozesse hat in den vergangenen Jahren unser Verständnis von Angststörungen und affektiven Störungen entscheidend geprägt und zur Weiterentwicklung von psychotherapeutischen Behandlungskonzepten beigetragen. Im Falle der somatoformen Störungen existieren dagegen vergleichsweise wenig gesicherte Erkenntnisse zu veränderten Emotionsregulationsprozessen. Das aus tiefenpsychologischer Perspektive prominente Konzept der Alexithymie ist hierbei empirisch als zweifelhaft zu beurteilen. Neuere Befunde zu Prozessen der Emotionswahrnehmung, Interozeption und Emotionsregulation legen nahe, dass diese Prozesse eine zentrale Rolle in der Genese und Aufrechterhaltung somatoformer Störungen spielen. So scheint das Erleben somatoformer Beschwerden mit einer verminderten Interozeption und einem verstärkten Einsatz dysfunktionaler Emotionsregulationsstrategien (z.B. Rumination, Katastrophisieren, affektive Suppression bzw. affektive Überregulation) assoziiert. Ausgehend von diesen Befunden soll der Blick auf vielversprechende neue Entwicklungen im Bereich der dritten Welle der Verhaltenstherapie gelenkt werden, die geeignet erscheinen, die dargestellten Veränderungen im Bereich der Affekt- und Emotionsverarbeitung bei somatoformen Störungen direkter als bislang zu adressieren.