Skip to main content
 
Rosa Beilage 2/2016

Entwicklung eines Mustercurriculums für Arzt-Patientengespräche

11. Mai 2016
 

(ja). Am 29. Februar 2016 fand ein Kommunikationssymposium in Heidelberg statt, zu dem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die VertreterInnen der 37 deutschen Medizinischen Fakultäten und Medizinischen Fachgesellschaften einlud. Im Rahmen dieses Symposiums verabschiedeten die VertreterInnen der Institutionen die sogenannte „Heidelberger Erklärung“, in der sie die Absicht bekunden, sich bundesweit für eine Förderung der kommunikativen Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung einzusetzen.

Beim Abschluss-Symposium stellte Prof. Dr. Jana Jünger, Oberärztin an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg die wesentlichen Ziele und Inhalte des "Nationalen longitudinalen Mustercurriculum Kommunikation in der Medizin – ein Projekt des Nationalen Krebsplans" vor. In diesem Projekt werden Vorschläge erarbeitet, wie man kommunikative Kompetenzen im Medizinstudium lehren und prüfen kann. Außerdem werden strukturierte Qualifizierungsmaßnahmen für die ärztliche Weiter- und Fortbildung entwickelt. Zudem soll der interdisziplinäre und interprofessionelle Austausch gefördert werden. 

Das Mustercurriculum soll zukünftig bundesweit in den Medizinischen Fakultäten eingeführt werden und den Medizinernachwuchs auf Arzt-Patientengespräche vorbereiten. Dafür wurden Übungen und Trainingsmöglichkeiten auf einer Online-Plattform zusammengestellt. In Zukunft soll nun ein Kommunikationstraining mit speziell geschulten SchauspielerInnen während des Medizinstudiums stattfinden. Insgesamt sind 300 Unterrichtseinheiten für dieses Kommunikationstraining vorgesehen.

Eine klare und wertschätzende Gesprächsführung führt zu einer gelungenen Kommunikation, was schließlich dazu führt, dass der Patient / die Patientin sich gut behandelt fühlt. Dies wiederum hat einen Einfluss darauf, ob der Patient /die Patientin den ärztlichen Empfehlungen folgt, was ein entscheidender Faktor für den Erfolg einer Therapie darstellt.

Kommentar (HV): „Gut gebrüllt, Löwe!“ – oder, etwas sachlicher: Die Bedeutung ärztlicher Gesprächsführung für die Patientenzufriedenheit und auch für den Erfolg medizinischer Behandlungen (nicht nur für die Compliance!) gehört tatsächlich seit Jahrzehnten zum festen Bestand der Lehrinhalte in der medizinischen Psychologie. Neu ist diese Erkenntnis offensichtlich für die Verantwortlichen in der Politik und neu ist ihr Bekenntnis, dass es Veränderungen in der Aus-, Weiter- und Fortbildung von ÄrztInnen bedarf, wenn sich die Qualität der ärztlichen Versorgung diesbezüglich weiter verbessern soll. Leider werden Appelle nicht ausreichend sein. Gerade die Vermittlung von patientenbezogener Gesprächsführung für Medizinstudierende, z. B. durch Schauspielpatienten, gehört zu den (personal)aufwendigsten Bausteinen der Medizinerausbildung und zu ihrem Ausbau sind zumeist entsprechende Investitionen erforderlich. Die etablierten Bewertungskriterien für Medizinische Fakultäten und für die Universitätsmedizin sind aber nachhaltig auf Hochleistungsmedizin und Grundlagenforschung und überhaupt auf Forschungsoutput ausgerichtet. Investitionen der Fakultäten in die Lehre und in die Patientenbetreuung stehen immer in Konkurrenz mit der Förderung/Finanzierung notwendiger oder gewünschter Forschungsinfrastruktur und müssen dabei im Zweifel oft zurück stehen. Insofern bedarf es nur wenig hellseherischer Fähigkeiten, um vorauszusehen, dass die Appelle aus Heidelberg erst auf breiter Front umgesetzt werden, wenn es gut ausgestattete Bundesförderprogramme und/oder entsprechender Verpflichtungen dazu durch die ärztliche Approbationsordnung geben wird.

Weitere Informationen finden Sie hier: idw-online.de/de/news646871

www.deutschlandradiokultur.de/kommunikationstraining-fuer-aerzte-empathie -laesst-sich.1008.de.html?dram%3Aarticle_ id=346986 

Quelle: Rosa Beilage zur VPP 2/2016