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Aktuelles

Fall-Kontroll-Studie Hormone

15. Januar 2007
 

Quelle: "Rosa Beilage zur VPP 3/2002

Sehr geehrte Frau Ministerin,

das Für und Wider einer Östrogenbehandlung bei Frauen in den Wechseljahren stellt ein Problem für Frauen der entsprechenden Altersgruppe in Deutschland dar. Vielen Frauen werden Hormone schon prophylaktisch angeboten, bevor sie deutliche Beschwerden in den Wechseljahren bekommen. Begründet wird das vor allem damit, dass diverse Erkrankungen durch Hormoneinnahme verhindert werden könnten. Auch kulturspezifische Aspekte, die Wertigkeit der älter werdenden Frau in der jeweiligen Gesellschaft, scheinen die Empfindungen der Frauen in den Wechseljahren zu beeinflussen - ein kaum berücksichtigtes Thema.

Gesicherte Angaben zu Vorteilen und Nebenwirkungen aus Studien waren schon in der Vergangenheit unter Fachleuten umstritten. In den letzten Jahren stellt sich immer mehr heraus, dass viele bisher angegebene Vorteile der Hormontherapie nicht mehr haltbar sind, wie Studien aus dem Ausland zeigen.

Es ist erstaunlich, dass es in Deutschland bisher keine aussagekräftigen Studien zu den vermuteten positiven Östrogenwirkungen gibt (Vermeidung von Knochenbrüchen durch Osteoporose, Vermeidung von Herzinfarkten und Alzheimerscher Erkrankung).

Sind schon die über die Behandlung von Hitzewallungen hinausgehenden Vorteile der Östrogentherapie unklar, ist es besonders bedrückend für die betroffenen Frauen wie für die verordnende Ärzteschaft, auch nicht zu wissen, wie groß die Risiken sind. Dabei geht es neben den bekannten Risiken für Thrombose und Gallensteine vor allem um Krebsrisiken, insbesondere Brustkrebs, aber auch um Gebärmutterschleimhautkrebs, möglicherweise auch um andere Krebsarten. Diese Zusammenhänge werden seit Jahren (!) diskutiert, ohne dass etwas geschieht.

Östrogene werden im EU-Vergleich in Deutschland am häufigsten verschrieben und am längsten angewendet. Es ist sehr verwunderlich, dass bisher in Deutschland keine einzige groß angelegte Studie auf diesem wichtigen Gebiet der Frauengesundheitsforschung eine öffentliche Forschungsförderung erhalten hat!

Wir fordern, dass auf dem Hintergrund immer weiter zurückgenommener gesundheitlicher Vorteile einer hormonellen Langzeittherapie umgehend eine Studie begonnen wird, die die Krebsrisiken bei Frauen untersucht. Unseres Wissens existiert ein auf umfangreichen Vorarbeiten beruhendes konkretes Forschungsvorhaben einer großen Fall-Kontroll-Studie, die für ganz Deutschland die hormonbedingten Risiken für Brust-, Gebärmutterschleimhaut- und Eierstockskrebs aufklären könnte. Ein Haushaltstitel im Etat Ihres Ministeriums wurde im Oktober letzten Jahres speziell für eine solche Studie durch den Haushaltsausschuss bewilligt. Damit könnte noch vor der Bundestagswahl mit dieser wichtigen Studie begonnen werden.

Mit dieser Fall-Kontroll-Studie wäre wenigstens Klarheit für die gravierendsten Risiken dieser Östrogenbehandlung geschaffen. Mittelfristig sollten auch große Studien in Deutschland durchgeführt werden, um zu prüfen, ob Herzinfarkte, Oberschenkelhalsbrüche und die Alzheimersche Erkrankung, um nur einige häufig genannte Erkrankungen zu nennen, durch Östrogene in ihrer Häufigkeit günstig beeinflusst werden können.

Sehr geehrte Frau Ministerin, wir bitten Sie dringlichst, die für diese Studie zur Verfügung stehenden Mittel freizugeben.

Mit herzlichen Grüßen
i.A. des Nationalen Netzwerks Frauen und Gesundheit

Ulrike Hauffe
Landesbeauftragte

    • Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF)
    • Arbeitsbereich Frauen- und Geschlechterperspektiven im Zentrum für Public Health der Universität Bremen
    • Dachverband der Frauengesundheitszentren in Deutschland e.V.
    • Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe e.V. (DGPFG)
    • Deutscher Ärztinnenbund (DÄB) e.V.
    • Bremer Forum Frauengesundheit
    • Koordinationsstelle Frauen und Gesundheit NRW
    • Netzwerk Frauen/Mädchen und Gesundheit Niedersachsen