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Rosa Beilage 1/2016

Kurzbericht über das 9. Treffen des interdisziplinären Beirates des zentralen ADHS-Netzes in Berlin am 28.11.2015

10. Februar 2016
 

Das zentrale ADHS-Netz ist ein deutschlandweit aktives Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen. Das Programm des zentralen ADHS-Netzes richtet sich sowohl an Experten als auch an Betroffene sowie deren Angehörige und Bezugspersonen. Das zentrale ADHS-Netz koordiniert die Aktivitäten der regionalen ADHS-Netzwerke, der wissenschaftlichen Fachgesellschaften, der pädagogischen Einrichtungen sowie der forschenden Einrichtungen in Deutschland. Dies erfolgt über eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Beirat der regionalen Netze sowie dem interdisziplinären Beirat. Von den 84 bekannten regionalen ADHS-Netzwerken waren Ende 2015 insgesamt 63 Mitglieder im Beirat der regionalen Netze. Der interdisziplinäre Beirat setzt sich aus 28 Fach-, Berufs- und Selbsthilfeverbänden zusammen. Mitglieder des interdisziplinären Beirates sind medizinische und nicht-medizinische Fach- und Berufsverbände, Selbsthilfe- und Betroffenen-Verbände sowie überregionale Organisationen, die an der Versorgung von Menschen mit ADHS beteiligt sind und keine direkten Geschäftsinteressen verfolgen.

Der interdisziplinäre Beirat des zentralen ADHS-Netzes hat die Funktion, Empfehlungen an  die Leitungsgruppe bezüglich der Arbeit des zentralen ADHS-Netzes zu geben und die Arbeit des zentralen ADHS-Netzes zu bewerten. Diese Bewertung der Leitungsgruppe sowie die jährlich erstellten Berichte (der Regionalgruppen) gehen als Empfehlung an das Bundesministerium für Gesundheit. Darüber hinaus gibt er Anregungen zur Weiterentwicklung des zentralen ADHS-Netzes. Die Mitglieder des interdisziplinären Beirates werden von der Leitungsgruppe regelmäßig über die Arbeit des zentralen ADHS-Netzes informiert. Der interdisziplinäre Beirat tagt mindestens einmal jährlich. Die Äußerungen der Verbände zu Tätigkeiten des zentralen ADHS-Netzes werden veröffentlicht. Die Verantwortung und Entscheidung über die Veröffentlichung liegt bei der Leitungsgruppe.

Im Jahr 2015 wurde nun das Eckpapier ADHS (2002) innerhalb der Leitungsgruppe des zentralen ADHS-Netzes überarbeitet und eine interne vorläufige Fassung verabschiedet. Diese wurde im Rahmen der Beiratstreffen sowohl im Beirat der regionalen Netze als auch im interdisziplinären Beirat ausführlich am 28. November 2015 in Berlin diskutiert. An diesem Treffen habe ich als Stellvertreterin der DGVT teilgenommen. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick über den Diskussionsverlauf geben.

Bei dem Treffen konnte zunächst festgestellt werden, dass fast alle Mitgliedsverbände vertreten waren. Dr. Prof. Manfred Döpfner ging anhand der noch am selben Tag aktualisierten Version des Eckpunkte-Papiers die einzelnen Bereiche durch und stellte diese zur Diskussion. Bereits bei dem ersten Punkt meldete sich eine Kollegin der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie e. V. (VAKJP) zu Wort und teilte ihren Unmut darüber mit, dass alle bisherigen Ergebnisse aus der Forschung und Untersuchung der Göttinger Gruppe zu Entstehung und Behandlung von ADHS aus der analytischen Sicht keinerlei Berücksichtigung in dem Eckpunktepapier gefunden habe. Daher weigere sich die VAKJP, Veränderungsvorschläge zu machen und unterstütze das Eckpunktepapier insgesamt nicht. Die VAKJP werde ihren eigenen Beitrag in schriftlicher Form verfassen und herausbringen. Dies wurde von einem Kollegen aus der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie unterstützt. Diese ablehnende Haltung und der generelle und massive Widerstand gegenüber einer medikamentösen Behandlung und auch teilweise gegenüber verhaltenstherapeutischen Interventionen nahm mehrmals viel Diskussionszeit in Anspruch, was jedoch keine eindeutige Resonanz im Saal finden konnte. Die weiteren Anregungen der Anwesenden im Saal konnten gut in das Eckpunktepapier eingearbeitet werden, das uns später zugesendet wird. Unser DGVT-Vorschlag, mehr pharmaunabhängige Langzeituntersuchungen bei medikamentösen Behandlungen durchzuführen, konnte angesprochen werden. Es wurde versichert, dass Bemühungen weiterhin dahingehend laufen, weitere Forschungen zur (Langzeit-) Wirksamkeit von MPH und Elterntraining voranzubringen. Formal wurde ganz deutlich die Notwendigkeit solcher Studien bestätigt.

Dr. Günther Endrass vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Rheinland-Pfalz referierte kurz über eine besonders erfolgreiche Fortbildung zum Thema ADHS zwischen KJP-TherapeutInnen, Psychologischen PsychotherapeutInnen und den PsychiaterInnen in der Region Rheinland-Pfalz. Diese Fortbildung könnte aus seiner Sicht als Modell dienen, um ähnliche Kooperationen zwischen ärztlichen und nichtärztlichen FachkollegInnen zustande zu bringen, um die Zusammenarbeit zu intensivieren. Aktuell ist ein solches Vorhaben in der Überlegung für das Jahr 2017 in Niedersachen, wobei dafür noch weitere KollegInnen benötigt werden.

Wir möchten interessierte KollegInnen nun auch auf diesem Wege dazu aufrufen, sich uns sowohl gedanklich als praktisch anzuschließen, um dieses Vorhaben voranzutreiben. Ab 2016 sind Sabine Maur und ich für die Teilnahme am interdisziplinären Beirat und die Kooperation mit dem ADH-Netz zuständig. Wir würden es sehr begrüßen, wenn sich interessierte KollegInnen bei uns melden.

Schahrsad Deilami, Hannover/Stadthagen 30.01.2016