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Winfried Lotz-Rambaldi, Petra Schulze

Positive Zwischenbilanz des Lübecker Bündnisses gegen Depression <sup>1</sup>

24. April 2007
 

Das Lübecker Bündnis gegen Depression wurde am 1. Juli 2003 auf Initiative der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck (Prof. Fritz Hohagen), und der psychatrium Gruppe Neustadt (Dr. Angela Schürmann) gegründet. Das Lübecker Bündnis gegen Depression startete als eines von bundesweit zunächst fünf regionalen Projekten, die die erfolgreiche Arbeit des Nürnberger Bündnisses gegen Depression auf andere Regionen übertrugen. Nach umfangreichen Vorarbeiten begann das Lübecker Bündnis im Mai 2004 unter der Projektleitung von Dipl.-Psych. Winfried Lotz-Rambaldi seine Öffentlichkeitsarbeit mit einer großen Auftaktveranstaltung in St. Petri zu Lübeck.
Wie geplant wurde durch die von Sponsoren zur Verfügung gestellten Mittel die für die Arbeit dringend notwendige Personalstelle geschaffen, so dass mit der Einstellung von Dipl.-Soz.Päd. Petra Schulze als Koordinatorin im Juli 2004 die Arbeit des Bündnisses intensiviert und das Aktionsprogramm umgesetzt werden konnte.

Das Aktionsprogramm des Lübecker Bündnisses umfasst vier Säulen. Sowohl die Information der breiten Öffentlichkeit als auch die Schulung von Multiplikatoren sind dabei wichtige Bestandteile. Darüber hinaus sollen Angebote für Betroffene und deren Angehörigen geschaffen werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Fortbildung von Hausärzten.
Die zentralen Botschaften des Bündnisses lauten:

  • Depression kann jeden treffen
  • Depression ist behandelbar
  • Depression hat viele Gesichter

1. Öffentlichkeit
Nach dem erfolgreichen Start im Mai 2004 folgten zahlreiche Aktionen des Lübecker Bündnisses gegen Depression, wie zum Beispiel die Durchführung von Filmtagen im Herbst 2004 und 2005 in Kooperation mit dem Kommunalen Kino und dem Forum Psychotherapie Lübeck. Durch die verschiedenen Veranstaltungen konnte ein breites Publikum über das Thema Depression informiert werden. Es wurden unterschiedliche Vorträge zum Thema Depression in verschiedenen Einrichtungen gehalten, z.B. an Volkshochschulen, in der Seniorenakademie, in Kirchengemeinden oder an Schulen. Auf diese Weise konnten höchst unterschiedliche Zielgruppen erreicht werden.
Seit Anfang 2005 werden in einem vierteljährlichen Veranstaltungskalender die Aktivitäten und Veranstaltungen des Bündnisses angekündigt. Weiterhin sind alle Veranstaltungen auf einer eigenen Homepage im Internet einzusehen (www.buendnis-depression.de).

Durch die Verteilung von Plakaten des Lübecker Bündnisses gegen Depression konnte darüber hinaus eine breite Öffentlichkeit auf das Thema Depression aufmerksam gemacht werden. Um die Jahreswende wurde an 230 Litfasssäulen in Lübeck plakatiert. Weitere Plakate wurden zum Beispiel in der Stadtverwaltung, in Apotheken, in Kirchengemeinden sowie in diversen kulturellen Institutionen ausgehängt.
Zum Kampagnenstart wurden zahlreiche Informationsmaterialien (25.000 Flyer, 6.700 Plakate, 3.000 Informationsbroschüren, 1.700 Videos und 1.000 CD-Roms) angeschafft und seitdem kontinuierlich verteilt.
In Printmedien (über 50 Presseartikel), im Fernsehen und in Radioberichten wurde über verschiedene Aspekte der Erkrankung Depression aufgeklärt und über Aktionen des Lübecker Bündnisses gegen Depression berichtet.

2. Multiplikatoren
Ein wesentlicher Bestandteil des Lübecker Bündnisses sind Fortbildungen von sogenannten Multiplikatoren durch eigens dafür ausgebildete Trainer. Hierdurch konnten verschiedene Berufsgruppen wie z.B. Betriebsärzte, MitarbeiterInnen der Telefonseelsorge, Apotheker, MitarbeiterInnen von Beratungsstellen, niedergelassene Kinder- und Jugendlichentherapeuten oder Lehrer geschult werden.
Weiterhin gab es Fachvorträge an verschiedenen Einrichtungen, wie zum Beispiel im Rahmen der "Vorwerker Visite" oder auch Weiterbildungsveranstaltungen u.a. an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Innerhalb des Lübecker Bündnisses hat sich ein sehr aktiver Arbeitskreis mit Vertretern aus dem Kinder- und Jugendlichenbereich formiert, der sich maßgeblich an der Schulung von Lehrern, Kinderärzten etc. zum Thema "Depression bei Kindern und Jugendlichen" beteiligt. Daneben haben sich inzwischen weitere themenspezifische Arbeitskreise gegründet ("Alte Menschen", "Menschen mit geistiger Behinderung" und "Bedarfsdeckung").

3. Angebote für Betroffene und Angehörige
Es wurden verschiedene Angebote für Betroffene und Angehörige ins Leben gerufen. So konnten in Kooperation mit der Lübecker Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) mehrere Selbsthilfegruppen gegründet werden, die sich seitdem regelmäßig treffen. Einige der Mitglieder engagieren sich inzwischen sehr aktiv im Bündnis. Aufgrund der regen Nachfrage wurden im Sommer 2005 weitere Gruppengründungsaktionen initiiert, z.B. zu "Sucht und Depression" und "Bipolare Störungen".
Workshops zum Thema "Selbstbewusstsein" und eine große "Angehörigenaktion" im März 2005, die in Zusammenarbeit mit einigen psychosozialen Initiativen stattfand und mit über 100 Besuchern auf eine sehr gute Resonanz stieß, rundeten dieses Angebot ab.

Ein weiterer Aufgabenbereich des Lübecker Bündnisses ist die direkte Information und Beratung konkret Betroffener über Hilfs- und Behandlungsmöglichkeiten der Depression. Bisher kam es hier in Einzelgesprächen und Telefonaten zu über 300 Kontakten mit Betroffenen und Angehörigen, in denen eine ausführliche Information über die Erkrankung und deren Therapiemöglichkeiten stattfand. Die Betroffenen konnten über Hilfsangebote in Lübeck aufgeklärt werden.

4. Hausärzte
Ein sehr wichtiger Bereich ist die Fortbildung von etwa 40 niedergelassenen Allgemeinärzten aus Lübeck und Umgebung, die zum großen Teil im Rahmen einer im Bündnis integrierten wissenschaftlichen Studie erfolgt. Diese Studie wird vom Verein zur Förderung der Rehabilitationsforschung in Schleswig-Holstein (vffr) finanziell gefördert. Durch diese Fortbildungen konnten viele Hausärzte aktuelle Informationen über die Früherkennung und angemessene Behandlung von Depressionen - auch unter dem Aspekt der Vermeidung von Chronifizierungen - erhalten. Weiterhin wurden zur Information Videos für Ärzte und für Patienten verteilt.

Vernetzung
Die personelle und logistische Zentrale des Lübecker Bündnisses ist in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie angesiedelt, von wo aus die gesamte Koordination des Projektes stattfindet. Zur Rückkoppelung, Weichenstellung und Planung dient ein großer Initiativkreis, der sich seit Juli 2003 in regelmäßigen Abständen trifft und dem ca. 60 Personen verschiedener Professionen, Vertreter von psychosozialen Einrichtungen, Betroffene sowie Mitglieder der Selbsthilfegruppen angehören. Hierdurch sind viele Kooperationen entstanden und die Zusammenarbeit der psychosozialen Einrichtungen in Lübeck konnte intensiviert und die Hilfsangebote für depressiv erkrankte Menschen und deren Angehörige konnten besser vernetzt werden.
Im September 2005 traf sich dieser Initiativkreis zum sechsten Mal, das nächste Treffen ist für Januar 2006 vorgesehen.
Trotz der vielen hauptamtlichen Vertreter der verschiedenen Einrichtungen im Bündnis sind es inzwischen viele Ehrenamtliche, die die Arbeit engagiert mittragen. So sind verschiedene Infotische und Aktionen, wie zum Beispiel in der Fußgängerzone oder bei der Seniorenmesse, erst möglich geworden.

Weitere Planung
Zahlreiche weitere Veranstaltungen und öffentliche Vorträge sind geplant, darunter

  • ein großer Benefiz-Opern- und Liederabend im Lübecker "Kolosseum" am 19. Februar 2006
  • Lesungen mit Musik
  • ein Kunst- und Plakatwettbewerb in Kooperation mit Lübecker Schulen
  • ein Kinospot in allen Lübecker Kinos
  • die Plakatierung in Lübecker Stadtbussen.

Zusammenfassung
Insgesamt führte das Lübecker Bündnis gegen Depression bisher knapp 70 Veranstaltungen und öffentliche Vorträge sowie etwa 50 Fortbildungen und Fachvorträge durch, mit denen insgesamt ca. 5.200 Menschen direkt erreicht werden konnten. Nicht genau zu beziffern ist die Zahl derer, die darüber hinaus durch Plakate, Flyer und Infomaterialien erreicht wurden.
Im Zuge der bundesweiten Ausdehnung des Projektes "Bündnis gegen Depression" entstehen nach und nach vergleichbare lokale Kampagnen in ganz Deutschland. Im bundesweiten Vergleich nimmt das Lübecker Bündnis gegen Depression jedoch - auch dank der finanziellen Förderung durch die lokalen Sponsoren (Possehl-Stiftung, Dräger-Stiftung, Die Gemeinnützige, Sparkasse zu Lübeck) - nach wie vor eine herausragende Stellung ein.

Kontaktadressen: Lübecker Bündnis gegen Depression, Dipl.-Psych. Winfried Lotz-Rambaldi (Tel. 0451-500-2445, Mail: lotz-rambaldi.w@psychiatry.uni-luebeck.de), Dipl.-Soz.Päd. Petra Schulze (Tel. 0451-500-5998, Mail: depression@uni-luebeck.de), Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck

 


[1] Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der AutorInnen und der Zeitschrift aus: Service-Brief der Rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Nord, Heft 16/17, Herbst/Winter 2005, S. 30-33.