Qualitätsmanagement für unsere kleinen Praxen
Fachgruppe Niedergelassene in der DGVT
Deswegen widmet sich die Fachgruppe diesem Thema, allerdings nicht, weil wir die Sache selbst ausführliche darlegen wollen, sondern weil sie begonnen hat, viel Aktivität bei den Berufsverbänden und den professionellen Fortbildern zu entfachen. Da die Fortbildungen und die Fachliteratur darlegen, wie das QM inhaltlich ausgestaltet und praktisch umgesetzt werden kann, brauchen wir uns hier nicht damit zu beschäftigen. Uns interessieren die Rahmenbedingungen, die zur Einführung des QM geführt haben, sein Ziel und sein Sinn.
Wolfgang Palm beschreibt in seinem Papier die heillose Finanzmisere der gesetzlichen Krankenversicherung, die immer wieder Anlass zu gesetzgeberischen Maßnahmen ist, welche die Ausgabenexpansion eindämmen sollen – mit geringem Erfolg, wie sich bisher gezeigt hat. Das QM ist nur eine der vielen Maßnahmen, die auf der Liste des Gesetzgebers stehen. Ob es eine Wirkung entfalten wird, steht in den Sternen. Das QM für die Praxen ist eine völlig ungeprüfte Maßnahme, ohne empirische Evidenz für ihren Erfolg. Seine holprige und handwerklich schlechte Einführung steht in schreiendem Kontrast zu dem beachtlichen Prüfungsaufwand, den jede Maßnahme zu durchlaufen hat, die der Krankenbehandlung dienen soll. Der Sinn des QM und der anderen Maßnahmen wird zugänglich, wenn man die Richtung der Gesundheitspolitik betrachtet, die die Konkurrenz unter den Anbietern anfachen und sie gleichzeitig durch bürokratische Kontrollen knebeln will. Ziel ist so etwas wie eine bürokratisch kanalisierte Gesundheitskonkurrenz unter den Leistungsanbietern. Doch ob das
QM dazu seinen Beitrag leisten wird, können erst die praktischen Umsetzungen zeigen ... und die stecken in den Kinderschuhen.
Werner Lemisz folgt in seinem Papier den akademisch-bürokratischen Formulierungen der QM-Richtlinie des G-BA, um ihnen einen für den Praktiker nachvollziehbaren Sinn abzuringen. Ein solches Unterfangen gleicht gelegentlich dem Versuch von einem Hornochsen Kuhmilch erhalten zu wollen oder gebildeter ausgedrückt, es überfallen einen Empfindungen und Gefühle wie beim Anblick der Laokoongruppe[1], in der sich altgriechischer Geist (Stichwort »Stille Einfalt, edle Größe«) besonders plastisch ausgedrückt hat. Davon kann man sich nur noch durch ein drastisches Refraiming befreien.
Marianne Funk, Werner Lemisz, Wolfgang Palm
[1] Laokoon war – nach dem 'Brockhaus multimedial' - ein Priester des Apoll in Troja; er warnte die Trojaner vor dem hölzernen Pferd der Griechen, wurde bald darauf bei Darbringung des Opfers mit seinen beiden Söhnen von zwei Schlangen erwürgt. Die 1506 in Rom im Goldenen Haus des römischen Kaisers Nero wieder entdeckte Steinplastik hat wie kein zweites antikes Werk anregend auf die Kunst gewirkt.
Quelle: VPP 2/2006