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Heiner Vogel, Gisela Borgmann-Schäfer

Situation der PiA im Bundesgesundheitsministerium erörtert

17. Januar 2007

Unter PsychotherapeutInnen ist die zumeist unhaltbare Situation der psychotherapeutischen AusbildungsteilnehmerInnen (PiA) in den Psychiatrien gut bekannt.

 

In der Politik scheint es aber an Verständnis für die Problematik zu mangeln, wie die Stellungnahme des Petitionsaus­schusses des Bundestags vom Mai diesen Jahres zeigt, die anlässlich der Petition von weit über 1.000 PiA zu dieser Thematik veröffentlicht wurde. Offensichtlich ist es schwer zu ver­mitteln, dass von den jungen KollegInnen zwar qualifizierte Arbeit erwartet und verlangt wird, dass ihnen aber dafür zumeist keine oder fast keine Vergütung gezahlt wird. Vor diesem Hintergrund hat die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, MdB Helga Kühn-Mengel, am 20. Oktober 2006 zu einem ausführlichen Gespräch mit Beteiligten/Betroffenen im Bundes­gesundheitsministerium eingeladen. Anwesend waren neben den Vertretern des Gesprächs­kreises der Psychotherapeutenverbände (GK II; Gisela Borgmann-Schäfer, Hans-Werner Ste­cker, Heiner Vogel), die um das Gespräch gebeten hatten, vor allem Vertreter der psychothe­rapeutischen AusbildungsteilnehmerInnen (PiA; Mike Mösko, Hamburg, Christa Müller, Mün­chen, Konstantina Richter, Frankfurt/M.) und von Ausbildungsinstituten (Peter Lehndor­fer, Planegg b. München; Prof. Thomas Fydrich, Berlin; Dr. Günther Koch, Berlin).
Eingangs stellte Mike Mösko die Ergebnisse einer empirischen Studie mit bundesweiten Da­ten von ca. 400 PiA vor, die vom Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklini­kum Hamburg-Eppendorf durchgeführt wurde. Sie kann - ebenso wie eine inzwischen publi­zierte ähnliche Studie - belegen, dass die Mehrzahl der PiA während der „praktischen Tätig­keit“ in der Psychiatrie keinerlei Vergütung erhalten, aber dennoch verantwortungsvolle psy­chotherapeutische Tätigkeiten in erheblichem Umfang erbringen. Dies führt zu teilweise mas­siven wirtschaftlichen Nöten bei den Ausbil­dungsteilnehmerInnen, deren Einkommen viel­fach unter dem Existenzminimum liegt. Daran anknüpfend erläuterte Gerd Dielmann (Fach­gruppenleiter Gesundheitsberufe Ver.di) die ge­setzlichen Regelungen, die es für andere Ge­sundheitsberufe oder staatlich geregelte Berufe gibt, die den Teilnehmern dort eine Vergütung und deren Refinanzierung sichern. Das gilt in erster Linie für die Berufe, die im Rahmen ihrer Aus- oder Weiterbildung Leistungen für die Ausbildungseinrichtung (bzw. hier: die Kliniken) erbringen, die wirtschaftlich verwertbar sind.
In der weiteren Diskussion wurden die zahlreichen Aspekte des Themas, die verschiedenen Interessen der Beteiligten, die Möglichkeiten von sachgerechten Lösungen und die Auswir­kungen möglicher Veränderungen ausführlich erörtert. Frau Kühn-Mengel betonte, dass sie auch nachhaltige negative Folgen für die Versorgung der PatientInnen ebenso wie für die Per­spektiven des Berufes bzw. des Berufsbildes sehe, die sich mit dieser Ausbildungsproblema­tik verbinden und dass ihr daher eine Verbesserung der Situation besonders am Herzen liege. Sie sicherte zu, dass sie das gemeinsame Anliegen im politischen Raum aktiv kommunizieren werde. Das Gespräch verlief in angenehmer und konstruktiver Atmosphäre und bei den Betei­ligten blieb die Hoffnung zurück, dass vielleicht wirklich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung erreicht sei.